Welt ► Terranischer Sternenstaat ► Gesellschaft ► Bürger

Die Bürger

Gleichgültig auf welche Weise ein neuer Bürger des Terranischen Sternenstaats das Licht der Welt erblickt hat, sofern es sich nicht gerade um eine Psionikerin handelt, stehen ihr prinzipiell die selben Möglichkeiten offen. Künstliche verlassen die „Fertigungsanlagen” oft in einem sehr frühen Stadium. Konzerne haben die Wahl, die Menschen bereits im embryonalen Stadium zu übernehmen. Sie können dann natürlichen Müttern eingepflanzt werden, die meist aus den Reihen der eigenen Angestellten stammen und nicht selten sogar speziell für diesen Zweck bezahlt werden, oder sie werden „In Vitro” - in einer künstlichen Gebärmutter - herangezogen, bis sie reif für die „Geburt” sind. Bei den größten Konzernen ist dies der Regelfall. Andere Abnehmer oder Privatkunden, die nicht über entsprechende Anlagen verfügen, übernehmen die neuen Menschen erst nach der „Geburt”, also schon als voll entwickelte Säuglinge. Die Echelon Biolabs haben auch Einrichtungen, um Babys und Kleinkinder einige Jahre lang zu versorgen. Die Erziehung erfolgt dann, wie bei anderen Konzernen auch, durch speziell dafür ausgebildete Ersatzmütter und Familien, sowie durch holografische Instruktoren und virtuelle Realität. Generell bleibt aber nur ein kleiner Prozentsatz der jährlichen „Produktion” länger als ein paar Monate in der Obhut der Echelon Biolabs und damit unter dem direkten Einfluss der KIs.

Die Konzerner

Der größte Teil der Gesellschaft im Terranischen Sternenstaat ist mit dem einen oder anderen Konzern oder einer staatlichen Institution assoziert. Das heißt, der Bürger hat einen langfristigen Vertrag mit einem Konzern oder einer statalichen Institution, der ihr Leben in geregelten Bahnen verlaufen lässt, aber auch wenig Entfaltungsmöglichkeiten außerhalb der engen Grenzen der Konzernrichtlinien zulässt. In anderen Schichten, insbesondere in den gesellschaftlichen Randgruppen, werden diese Menschen gerne abwertend als „Konzernsklaven” bezeichnet. Eine weniger drastische Bezeichnung ist „Konzernangestellte” oder einfach „Konzerner”.

In der Konzernlaufbahn spielt es kaum eine Rolle, ob man ein Künstlicher oder ein Natürlicher ist. Die Konzerne legen großen Wert darauf, die Ausbildung und Integration der Menschen einheitlich zu gestalten. Alle Kinder, die in der Obhut eines Konzerns sind, durchlaufen vom Aufwachsen in natürlichen Familien, in einer Ersatzfamilie oder der Erziehung in einer anderen dafür geeigneten Einrichtung an das selbe Verfahren. Das Ziel ist letzten Endes die Konstruktion eines loyalen, zuverlässigen und leistungsfähigen Mitarbeiters. Je nach vorgesehenem Einsatzzweck kann der neue Mitarbeiter dabei in seiner Kindheit mehr oder weniger persönliche Zuwendung genießen. Allerdings ist es völlig unabhängig vom sozialen Status eher unüblich, dass eine Konzernerfamilie sich ganz allein um die Erziehung ihres Nachwuchses kümmert. Erstens haben sie dazu zu wenig Zeit, da der Job ihre gesamte Aufmerksamkeit erfordert, zweitens gibt es mehr als genug Möglichkeiten, diese Aufgaben auf entsprechende Einrichtungen des Konzerns zu übertragen. Das ist vom Management auch so gewollt, denn nur so kann der Konzern einen ausreichenden Einfluss auf die Heranwachsenen ausüben.

Bei Mitarbeitern größerer Konzerne ist das Leben vom Anfang bis zum Ende durch das Unternehmen bestimmt. Idealerweise zieht sich das Unternehmen loyale und motivierte Angestellte heran, die dann auch im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten lebenslang eine Beschäftigung garantiert bekommen. Wie gut sie dabei vorankommen, hängt in erster Linie von ihrem Pflichtbewusstsein und ihrer Leistung ab. Die Beziehung des Unternehmens zum Konzerner ist von Geben und Nehmen geprägt. Man steht am Morgen früh auf und kommt am Abend spät nach Hause, das heißt in eine vom Konzern bereitgestellte Unterkunft. In der Zwischenzeit bringt man annähernd hundert Prozent seiner verfügbaren Arbeitsleistung bei Aufgaben, die von der Führung vorgegeben werden. Als Lohn der Mühe winken materielle Belohnungen und Ansehen innerhalb der Hierarchie. In Form einer vom Konzern erteilten ID wird dem Mitarbeiter sogar ein gewisser Status innerhalb der gesamten Gesellschaft garantiert. Umgekehrt kann es empfindliche Nachteile geben, wenn ein Angestellter in den Augen der Unternehmensführung an Leistung oder Treue zu Wünschen üblich lässt. Von der Herabstufung über den Entzug der ID bis hin zur Verabreichung von Drogen oder gar einer Gehirnwäsche sind alle Arten von Repressalien denkbar. Die schlimmsten Varianten treten allerdings nur in Extremfällen und auch nicht bei allen Konzernen auf. In jedem Fall wahren die Unternehmen über die Anwendung dieser Methoden Stillschwiegen.

Die Vorteile des gesicherten Lebensstandards, gleich auf welcher Ebene, kommen nicht ohne einen Preis. Wer in die Konzernlaufbahn eintritt, hat nur wenig Chancen, später noch einen anderen Weg einzuschlagen. Es gibt zwar offiziell persönlichen Besitz, jedoch ist die Umsetzung der Eigentumsrechte in der Regel an eine entsprechende ID gekoppelt. Bei besonders wertvollen Besitztümern wie Appartements, Grav-Fahrzeugen oder gar Raumyachten sichern sich die Konzerne mit umfangreichen Klauseln in den Verträgen ab, und diese Verträge werden oft schon kurz nach der Geburt eines neuen Angestellten mit den Eltern geschlossen. Auf diese Weise hat ein Konzerner kaum eine Chance, selbst einen Einfluss auf sein späteres Schicksal zu nehmen. Konzerne investieren viel Zeit und Geld in die Formung eines für sie wertvollen Mitarbeiters. Daher lassen sie ihre menschlichen Ressourcen auch nur ungern wieder gehen. Das friedliche Übertragen eines Angestellten ist eine geschäftliche Transaktion, bei der erhebliche Summen den Besitzer wechseln können. Das „Abwerben” wird dagegen allgemein als feindlicher Akt angesehen. Im Falle von Mitarbeitern aus dem höheren Management, in deren Ausbildung Millionen von Credits investiert wurden, kann solch ein Vorgang sogar Auslöser für kriegerische Handlungen unter den Konzernen sein.

Die Oberschicht

Die Oberschicht des Terranischen Sternenstaats besteht aus jenen Menschen, die es durch Glück, gezieltes Vorgehen oder eine Kombination aus beidem geschafft haben, sich im bestehenden System eine Nische mit umfangreichen materiellen Ressourcen und Privilegien einzurichten. Sie stammen in der Regel aus den Führungsetagen der Konzerne, aus der hohen Politik oder aus funktionierenden unabhängigen Unternehmen. Als Angehöriger der Oberschicht kann man alles bekommen, was man will, sofern es mit Geld gekauft werden kann. Viele dieser Menschen verfügen über eigene Grav-Fahrzeuge, Appartements, Raumyachten oder gar ihre eigenen Planeten. Sie können sich vielseitige Vergnügungen, modernste medizinische Behandlungen und Cybertechnologie leisten, die sie ewig jung aussehen lässt und praktisch unsterblich macht. Reichtum und Einfluss an den richtigen Stellen sichert ihnen ein erhebliches Maß an Unabhängigkeit, selbst wenn sie ursprünglich aus einer Konzernlaufbahn stammen. In diesem Fall gibt es einfach nur wenige, die ihnen verbieten könnten, zu tun und zu lassen, was ihnen in den Sinn kommt. Das Leben in der Oberschicht ist aufgrund seiner oberflächlichen Sorglosigkeit ein idealisierter Wunschtraum weiter Teile der Bevölkerung. Aber nicht alle Angehörigen der Oberschicht sind zufrieden. Sie können zwar fast alles haben, aber nichts davon kann sie wirklich zufrieden stellen.

Die Mittelschicht

Das, was man früher unter der Mittelschicht verstand, die kleinen Unternehmer und freien Berufe, viele staatlich subventionierte Beschäftigungen und Angestellte von Unternehmen, sind nach und nach in die breite Schicht der Konzerner übergegangen. Es ist ein Leben ohne große Sorgen, wenn man tut was man aufgetragen bekommt, aber es ist auch ein Leben ohne eigene Entscheidungen. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Bevölkerung hat sich durch Tradition oder geschicktes Agieren einen Platz in der „echten” Mittelschicht gesichert. Die Fluktuation in dieser Gesellschaftsschicht ist allerdings groß. In der Mittelschicht befindet man sich ständig im Visier der Konzerne, die fähige Menschen mit lukrativen Angeboten oder überzeugenden „Argumenten” umwerben. Als Unternehmer ist auch der Abstieg in die Unterschicht nicht unwahrscheinlich, wenn das Geschäft schlecht läuft oder ein mächtiger Konzern sich durch die geschäftliche Aktivität einer Privatperson eingeengt fühlt. Die Menschen in der Mittelschicht sind oft Idealisten und Individualisten. Nicht wenige von ihnen werden nach und nach „Graue”, wenn sie der Ansicht sind, dass das Wasser rund um ihre Füße zu hoch gestiegen ist. Sie lösen sich dabei von den Grenzen der Gesetze und gesellschaftlichen Normen, werden flexibler, mobiler und oft auch skrupelloser. Aber nichts desto trotz gibt es viele, denen es gelingt, sich eine langfristige Existenz abseits der Konzernlaufbahnen und des gravierendsten sozialen Abstiegs aufzubauen. Hierzu gehören vor allem die freien Unternehmer, Techniker, Mediziner, Künstler, Lehrer und Rechtsgelehrten. Sie füllen eine oft nicht beachtete aber nicht weniger notwendige Nische in der Gesellschaft aus, die wohl auch noch viele hundert Jahre in dieser Form existieren wird.

Die Unterschicht

Neben den Konzernern, die die breite Masse der Bevölkerung ausmachen, gibt es eine umfangreiche Unterschicht, die fast im gesamten Sternenstaat anzutreffen ist. Die Lebensbedingungen schwanken zwischen Rim und Core, aber sie sind generell nirgendwo besonders erstrebenswert. Angehörige der Unterschicht hatten nicht das Glück, in die Konzernhierarchie hineingeboren und von Anfang an in die Laufbahn eingetreten zu sein. Sie werden von den Unternehmen als billige und weitgehend rechtlose Arbeitskräfte eingesetzt. Im besten Fall können sie früher oder später eine ID der untersten Klasse als Lohn erwarten, was ihnen immerhin marginalen gesellschaftlichen Status verspricht. Da aber viele der ID-losen Bürger auch eine kriminelle Vergangenheit haben, oft aus der Notwendigkeit heraus, manchmal aber auch durch eigene Entscheidung, steht dieser Weg nicht allen offen. Das Überleben ist für diese Menschen nicht einfach. Sie haben keine sicheren Arbeitsverträge, können jederzeit von den Konzernen „abgestoßen” werden. Dann fristen sie ihr Dasein auf den unteren Ebenen der Metropolen und Kolonien und leben von dem, was von oben zu ihnen herunterfällt. Angehörige der Unterschicht brauchen viel Glück und Verstand, um jemals einen besseren Lebensstandard zu erreichen. Ansonsten werden sie von Konzern zu Konzern geschoben, bis sie durch schlechte Arbeitsbedingungen, Drogen und Überlastung nicht mehr arbeitsfähig sind. Per Gesetz haben sich der Staat und die größeren Konzerne mit staatenähnlichem Status zumindest verpflichtet, diesen Menschen das Nötigste zum Überleben zur Verfügung zu stellen. Einmal in der Unterschicht angekommen, besteht für viele allerdings kaum noch Hoffnung auf ein besseres Leben.

© 2005-2008 Jörn P. Meier  •  Impressum  •  Datenschutz  •  Kontakt: webmaster@ionflux.org  •  Letzte Aktualisierung: 2008-09-21  •  Version: 2.0  •  Sprache: en | de  •  Die Texte auf dieser Seite unterliegen einer Creative Commons Lizenz. Sie dürfen die Inhalte dieser Website unter bestimmten Bedingungen in eigenen Projekten verwenden. Für weitere Informationen folgen Sie bitte diesem Link.