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Terra Haven

Kaum an einem anderen Ort im bekannten Universum wird der Geist des Core deutlicher repräsentiert, als in Terra Haven, der Hauptstadt und dem Regierungssitz des Terranischen Sternenstaats. Die Stadt hat aber nicht nur administrative Bedeutung. Sie gilt auch als Symbol für die Stärke und den Überlebenswillen, die kulturellen Errungenschaften und den Fortschritt der menschlichen Zivilisation. Zudem ist sie Heimat von über 250 Millionen Menschen und damit die größte zusammenhängende Siedlung im Terranischen Sternenstaat. Die heutige Stadt ist eine sorgfältig geplante Konstruktion, die sich über bis zu vierundzwanzig vertikal geschichtete Ebenen erstreckt. Der Grundstein für die Stadt wurde im Jahr 2100 an der Westküste Europas auf der Erde gelegt. Für den Bau war ein Konsortium, geführt von den Konzernen Luna Technology und Alpha Spaceflight unter Aufsicht des CTR, verantwortlich. Das viele Quadratkilometer große Zentrum der Metropole ist wie aus einem Guss angelegt und wird von drei Weltraumkratzern dominiert, die die Namen Sol-, Terra- und Luna-Tower tragen. Die Gebäude im Zentrum werden hauptsächlich von Regierungsinstitutionen genutzt, es gibt allerdings auch zahlreiche opulente Parks, die zur Erbauung für die Öffentlichkeit und Besucher aus allen Teilen des Sternenstaats gedacht sind.

Je weiter man sich vom Zentrum der Hauptstadt entfernt, desto diverser wird auch die Architektur - jedoch stets ohne die Werte des Core zu verraten. Hier haben sich die großen Konzerne Denkmäler aus Glas, Stahl und modernen Kunststoffen gesetzt, die weit in den klaren Himmel über der Stadt hinausragen. Im Schatten dieser Repräsentationsbauten findet das alltägliche Leben der Supermetropole statt. Bürogebäude, ausgedehnte Apartmentkomplexe, großzügig dimensionierte Parks, Promenaden, die die Schluchten zwischen den Gebäuden überspannen, und Landefelder für die unzähligen Gravs prägen das Bild der Innenstadt. Den Erdboden kann man in Terra Haven nirgendwo sehen, nutzt man jedoch eines der Grav-Taxis, einen Grav-Lift oder eine der Promenaden, um auf die tiefer gelegenen Ebenen hinabzusteigen, dann verändert sich das Bild der Stadt allmählich. Im Schatten der höhergelegenen Konstruktionen ziehen aufwändige, künstliche Beleuchtungsarrangements und aufwändige VR-Projektionen die Aufmerksamkeit auf sich. Die mittleren Stockwerke der Weltraumkratzer erheben sich, wie spiegelnde Felswände, rings umher aus einem bodenlosen Abgrund. Aus den regelmäßig über die Fassaden verteilten Öffnungen zieht sich ein steter Strom von Gravs über die Köpfe der Menschen, die sich auf den großzügig angelegten Plattformen zwischen den Gebäuden tummeln und im Vergleich zu deren Dimensionen wie Ameisen wirken. Frei schwebende, nicht selten kilometerlange Brücken und Promenaden spannen sich zwischen den Bauwerken durch die Luft und treffen sich regelmäßig in sternförmigen Plattformen, von denen aus Grav-Lifte Fußgängern einen schnellen und angenehmen Transfer auf andere Ebenen ermöglichen.

Die unteren Ebenen

All diese Pracht und die allgegenwärtigen Wunder der menschlichen Technologie lassen einen Besucher schnell vergessen, dass Terra Haven auch eine Schattenseite hat. Um diese in Augenschein nehmen zu können, muss man sich aber auch wirklich tief hinab zu den untersten Ebenen begeben - und das ist nicht einfach, vorausgesetzt, man möchte den langen Weg überleben, also nicht einfach in die Tiefe springen. Die normalen Grav-Lifte für die Öffentlichkeit enden spätestens auf der zwanzigsten Ebene, und auch dort gibt es bereits Kontrollen, die unbefugte Personen aufhalten sollen. Unautorisierte Gravs werden hier durch automatische Systeme aufgehalten, notfalls auch mit Gewalt. Der Hauptgrund für diese Maßnahmen besteht aber nicht etwa darin, dass die Verwaltung verhindern möchte, dass man die Zustände auf den unteren Ebenen sieht und einen schlechten Eindruck vom Core bekommt. Vielmehr werden die unteren Ebenen für wichtige, kritische Infrastruktur benutzt, außerdem auch für die Industrie, die manchmal unansehnlich oder sogar gefährlich ist.

Es ist in Terra Haven - wie auch in den meisten anderen Kolonien auf Planeten mit atembarer Atmosphäre - verboten, Schadstoffe in die Luft zu blasen. Das liegt insbesondere in Terra Haven daran, dass die Erdatmosphäre - nach den Irrungen des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts und der „Unity”-Katastrophe - mit aufwändiger und sehr kostspieliger Technologie gereinigt werden musste (und auf anderen Planeten will man es gar nicht erst so weit kommen lassen). Folglich werden Abfallbeseitigung, laute und schmutzige industrielle Fertigung, Entsorgung schädlicher Nebenprodukte und Energieerzeugung auf den unteren Ebenen erledigt. Man möchte natürlich auch vermeiden, dass diese Vorgänge durch Neugierige oder Menschen mit bösen Absichten gestört oder gar sabotiert werden. Hat man die strengen Kontrollen erst einmal passiert, dann trifft man allerdings unterhalb der zwanzigsten Ebene nicht mehr auf viele Menschen. Die unteren Ebenen werden von automatischen Systemen kontrolliert, die stur ihrer programmierten Tätigkeit nachgehen und keine Notiz von Besuchern nehmen, solange diese keine Gefahr darstellen oder laut Anweisung gemeldet werden müssen. Man muss schon tiefer hinabsteigen, um die wahren Bewohner dieser Welt aufzufinden - die Gangs und bizarren Sekten, die dort in den Versorgungstunneln, zwischen den automatischen Fertigungsanlagen und gewaltigen Reaktorkomplexen, den über Jahrhunderte sedimentierten Abfallhaufen und Relikten längst aus der Mode gekommener Technologie, oder gar den Ruinen aus der Zeit vor der „Unity”-Katastrophe, ihr eigenes Regime über die Welt der Ausgestoßenen errichtet haben.

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