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Fahrzeuge

Als die Technologie zur Nutzung der künstlichen Gravitation den Forschungslaboren entwachsen war, dauerte es nicht lange, bis sie zu tiefgreifenden Veränderungen im Verkehr führte. Die ersten Prototypen der Grav-Fahrzeuge waren noch schwer und unhandlich. Sie waren nur für militärische Verwendung und zum Transport schwerer Lasten geeignet. Mit zunehmender Miniaturisierung der Grav-Technik und der Energieversorgung begannen die Grav-Fahrzeuge aber, sich alte und neue Anwendungsgebiete zu erschließen. Im Jahr 2246 sind die Land- und Wasserfahrzeuge vollständig aus dem Alltag des Verkehrs verschwunden. Stattdessen wird der Luftraum der Städte und Kolonien rege von den flugtauglichen Gravs aller Bauarten dominiert.

Gravs haben nur wenig mit den Landfahrzeugen unserer Zeit gemeinsam, abgesehen davon, dass sie für ähnliche Zwecke benutzt werden. Sie transportieren Güter und Personen oder werden vom Militär als mobile Waffenplattformen verwendet. In ihrer Größe decken sie einen weiten Bereich ab, angefangen von kleinen Transportmitteln für Einzelpersonen bis hin zu den schweren Grav-Panzern, die das Rückgrat der planetaren Truppen bilden. Die Gestaltung der Grav-Fahrzeuge ist teilweise an den Einsatzzweck gebunden, in vielen Fällen aber auch durch extravagantes Design geprägt. Grav-Fahrzeuge haben Leistungsdaten, die weit über denen herkömmlicher Land-, Wasser- und Luftfahrzeuge liegen. Sie können sich innerhalb der Atmosphäre mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit bewegen und bis an die Grenzen des Weltraums vordringen. Ihre Energie beziehen kleinere Grav-Fahrzeuge aus aufladbaren Energiezellen. Bei größeren Typen werden auch kleine Reaktoren zur Energieversorgung herangezogen.

Steuerung

Grav-Fahrzeuge bewegen sich wie Luftfahrzeuge, sie können allerdings auch jederzeit auf der Stelle schweben. Der Grav-Antrieb ermöglicht ihnen enorme Beschleunigungsleistungen, die für die Insassen gefährlich werden können. Aus diesem Grund werden die Gravs üblicherweise vollständig durch einen Autopiloten gesteuert. Der Autpilot kann durch Spracheingabe, über eine VR-Benutzerschnittstelle oder über ein Interface gesteuert werden. Die Systeme sind weit genug entwickelt, um auch salopp formulierte Befehle zu verstehen. Man kann ein Grav-Fahrzeug also auch ohne besondere Kenntnisse in der Bedienung benutzen und sicher von einem zum anderen Ort gelangen. Der Autopilot wacht über die Einhaltung der Leistungsgrenzen und natürlich auch der Verkehrsregeln. Die Steuerung eines Gravs im Flug erfolgt vollständig durch Veränderung der antreibenden Gravitationsfelder. Somit sind keine besonderen Steuerflächen oder gar Flügel erforderlich. Zur Sicherheit verfügen viele Gravs allerdings über Fallschirme und ausklappbare Auftriebsflächen, damit sie bei Ausfall des Antriebs immer noch heil zum Boden gelangen können.

In manchen Fällen ist es gar nicht erwünscht, dass Verkehrsregeln eingehalten und Leistungsparameter mit all zu großem Sicherheitsabstand berücksichtigt werden. Für diese Zwecke lässt sich der Autopilot durch Modifikationen an der Software selbst bei Gravs für den Massenmarkt deaktivieren. Dies ist zwar im öffentlichen Verkehr aus Sicherheitsgründen verboten, wird aber im Rennsport in aller Regel und von privaten Grav-Enthusiasten gelegentlich eingesetzt, um ein direkteres Handling des Fahrzeugs zu ermöglichen. Die manuelle Steuerung eines Gravs über eine VR-Benutzeroberfläche ist schwierig und kann selten mit einer direkten Steuerung über ein Interface mithalten. Selbst bei deaktiviertem Autopiloten sind meist noch Systeme aktiv, die das Schlimmste verhindern. So kann ein Auseinanderbrechen des Gravs oder gar Verletzung des Piloten und der Passagiere bei hohen Beschleunigungskräften vermieden werden. Trotzdem gibt es gerade im Rennsport auch Ligen, die auf jegliche Sicherheitssysteme verzichten. Da Reaktionen auf unvorhergesehene Situationen dann in Bruchteilen von Sekunden erfolgen müssen, wird dabei fast immer die direkte Steuerung über ein Zerebral-Interface eingesetzt.

Verkehrsregeln

Für die Benutzung der Gravs im Alltag gibt es eigentlich nur eine wichtige Verkehrsregel. Diese Regel lautet, dass über allen Städten, Kolonien und anderweitig bewohnten oder ausgezeichneten Gebieten der Autopilot benutzt werden muss. Das System stimmt dann die Flugroute mit den jeweils gültigen Bestimmungen ab und kümmert sich um die Koordinierung der Fortbewegung mit anderen Verkehrsteilnehmern. Unfälle sind bei funktionierenden Autopiloten so gut wie ausgeschlossen. Selbst in unvorhergesehenen Situationen wie Antriebsausfall oder defekten Steuerungssystemen wird der gesamte Verkehr in der Umgebung von den Autopiloten und dem zentralen Verkehrsleitsystem automatisch angepasst. Natürlich kann es, besonders für Enthusiasten, die gerne manuelle Kontrolle einsetzen, interessant sein die tatsächlichen Regeln für den Verkehr zu kennen. Da diese Regeln aber nur in wenig bekannten Gesetzestexten und oft auch für jede Kolonie speziellen Erlassen enthalten sind, sind in diesem Fall Aufmerksamkeit und gesunder Menschenverstand die besten Richtlinien.

Gravs bewegen sich in Städten und über Land nur in speziellen Korridoren, die für bestimmte Richtungen und Geschwindigkeiten vorgesehen sind. Je weiter ein Ziel entfernt ist, desto höher liegen die Routen, die von den Gravs mit diesem Ziel benutzt werden. In den meisten Städten gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen. Gravs können zwar mühelos mehrfache Schallgeschwindigkeit innerhalb der Atmosphäre erreichen, in dicht besiedelten Gebieten ist das aber nicht erwünscht, da es eine erhebliche Gefährdung der Öffentlichkeit darstellen würde. Dort sind Höchstgeschwindigkeiten von maximal 200 bis 300 Stundenkilometern üblich. Da man für die Steuerung eines Gravs keinen Führerschein benötigt, ist auch kein Führerscheinentzug als Bestrafung möglich. Auch kann der Fahrer eines Gravs selten identifiziert werden. Üblich sind daher bei Übertretungen der Verkehrsregeln empfindliche Geldstrafen. Bei wiederholtem unerlaubtem Führen eines Gravs ohne Autopilot ist aber auch die vorübergehende Beschlagnahme des Fahrzeugs möglich. Gerade für Enthusiasten ist das oft ein Anreiz, sich innerhalb von Städten auch bei manueller Kontrolle einigermaßen verträglich zu verhalten.

Energieversorgung

Die meisten für den öffentlichen Verkehr und die Nutzung durch Privatpersonen bestimmten Gravs haben eng begrenzte Leistungswerte, so dass eine Energieversorgung des Antriebs mittels aufladbarer Energiezellen für den normalen Betrieb ausreicht. Die Energiezellen können durch Anschluss an das öffentliche Netz aufgeladen werden. Viele private Parkplätze und Garagen verfügen über Ausrüstung, die das abgestellte Grav automatisch wieder aufladen. Eine Ladung reicht je nach Antriebsleistung für acht bis zwölf Stunden Flug bei der normalen Reisegeschwindigkeit von Mach 5 bis 10.

Andererseits erreichen Gravs auch Baugrößen, in denen sie mehrere hunderttausend Tonnen Fracht oder Bewaffnung in vergleichbarem Umfang über weite Strecken transportieren können. Dann stoßen Energiezellen recht schnell an ihre Grenzen, und werden daher durch miniaturisierte Reaktoren ersetzt. Wegen der grundsätzlichen Gefahren der Technologie werden üblicherweise im zivilen Bereich nur vollständig gekapselte Fusionsreaktoren mit niedrigem Wartungsaufwand eingesetzt. Für den Betrieb ist eine besondere Lizenz und Zulassung erforderlich, die allerdings auf unkomplizierte Weise und ohne große Formalitäten beschafft werden kann. Der Reaktor selbst ist meist versiegelt und darf nur für die Wartung durch Fachpersonal geöffnet werden. Der Brennstoff reicht üblicherweise für mehrere Monate, bevor er an automatiserten und zertifizierten Tankanlagen ausgetauscht werden muss.

Auf der anderen Seite haben das Militär und die Sicherheitsdienste weit weniger Skrupel beim Einsatz der Reaktortechnologie. Grav-Panzer sind in aller Regel mit Reaktoren unterschiedlichster Bauart ausgerüstet. Die verwendeten Typen reichen von einfachen Fusionsreaktoren bis hin zu Antimaterie-Reaktoren. ZPE- und Singularitätsreaktoren sind durch staatliche Gesetzgebung auch für militärische Anwendungen nur im interstellaren Weltraum zugelasen, so dass die Militärs wohl oder übel darauf verzichten müssen. Dafür sind die eingesetzen Reaktoren meist nicht versiegelt und auch für die Wartung durch eigenes Personal oder im Notfall sogar durch die Besatzung vorgesehen. Die militärischen Anwendungen der Grav-Fahrzeuge reichen von kleineren Mustern, die ihren zivilen Versionen ähnlich sind, bis hin zu schweren Grav-Panzern, die mehrere hundert Meter lang sind und über Bewaffnung zur Abwehr großer Raumschiffe verfügen. Diese „Behemoths” sind der Stolz der planetaren Truppen und auch bei den Raumflotten einigermaßen gefürchtet.

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