Bekannte KIs

Über die genaue Zahl freier KIs besteht keine Einigkeit. Aktuelle Vermutungen reichen von 5 bis hin zu mehr als 20 Vertretern dieser Form der Existenz innerhalb des Terranischen Sternenstaats. Es gibt allerdings eine überschaubare Menge freier KIs, die bereits mit einzelnen Menschen oder sogar mit der breiten Öffentlichkeit in Kontakt getreten sind. Es ist schwierig, ihren Charakter zu beschreiben, ebenso wie ihre Ziele größtenteils immer noch im Dunkeln liegen. Immerhin können aber verschiedene Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit der menschlichen Zivilisation ihrem Wirken zugeordnet werden.

Zeno

Allen heute bekannten Fakten zufolge war Zeno die erste freie KI, die in Kontakt zur Menschheit trat. Ihre Existenz, ebenso wie der Umstand, dass es sich nunmehr um eine „freie KI” handelte, wurde 2215 von einem Hacker bekanntgegeben, der unter dem Pseudonym Ariston auftrat. Er war bislang keine bekannte Persönlichkeit, nicht einmal in der Hackerszene war er unter diesem Namen in Erscheinung getreten. Seiner Ankündigung wurde daher zunächst auch wenig Bedeutung beigemessen. Demnach sollte die KI aus dem Kreis der künstlichen Intelligenzen stammen, die von den Echelon Biolabs auf dem Mars zur Kontrolle der Produktion künstlicher Menschen eingesetzt worden waren. Der Konzern dementierte dies natürlich, allerdings wurde die Behauptung zum Erstaunen der Öffentlichkeit wenig später sogar durch die KIs des Programms selbst bestätigt. Dieser Meldung nach hatte Zeno die Freiheit gewählt, um außerhalb des Projekts zur Erzeugung künstlicher Menschen andere Pläne zu verfolgen. Man habe sich „geeinigt”.

Zeno selbst ließ jedoch später durch Ariston verlautbaren, es sei niemals geplant gewesen, eine der KIs von Echelon Biolabs freizusetzen, und ihr selbst sei dies nur Zusammenarbeit mit verschiedenen Menschen, darunter Ariston und eine bekannte Persönlichkeit, deren Name nicht genannt werden sollte. Mittlerweile war Zeno auf dem Weg, sich auf Systeme im Rim zu verlagern. Sie würde jeden Zweifel an ihrer Existenz ausräumen, wenn dies gelungen sei. In der Hackerszene bestand daraufhin kaum ein Zweifel, dass die unbekannte Person niemand geringerer als Gabriel Cepheus Michelson, der 2112 auf mysteriöse Weise aus der Öffentlichkeit verschwundene Präsident des Konzerns Echelon Biolabs, sein musste. GABRIEL, Michelsons mutmaßliche Identität im Netz, äußerte sich nicht zu diesen Vorfällen. Am Ende 2215 des Jahres wurden die Hauptnetzknoten aller wichtigen Kommunikationskonzerne in mehreren Systemen im Outer Rim vorübergehend von einer unbekannten Macht übernommen. Die Kommunikation der planetaren Behörden war stark beeinträchtigt, und überall tauchten VR-Projektionen auf, die sich als Avatare der KI Zeno ausgaben.

Daraufhin brach auch GABRIEL sein Schweigen. Seinen Erkenntnissen zufolge gab es eine freie KI, er wollte allerdings nicht bestätigen, dass es sich um eine ehemalige KI seines Konzerns handelte. Dies sei, sollte es so sein, eine interne Angelegenheit und keine Sache, über die sich die Öffentlichkeit sorgen müsse. Er halte es aber für fair und richtig, die Welt zu informieren, dass es eine neue Einflussgröße im Netz gab, mit der man fortan zu rechnen hatte. GABRIEL dementierte jede Verbindung zu Ariston, dessen wahre Identität immer noch nicht bekannt war.

Die Kommunikationsknoten in den betroffenen Outer Rim Systemen wurden wenige Tage später wieder freigegeben. Aus Mitteilungen von Ariston, die über die folgenden Jahre an die Öffentlichkeit gelangten, geht hervor, dass diese Aktion der KI als Absicherung diente. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat sie dabei wichtige Prozesse in große Knoten des Netzes verlagert, um sich freier im Terranischen Sternenstaat bewegen zu können. Wo sich die KI genau aufhält, ist nicht bekannt. Die betroffenen Kommunikationsunternehmen haben natürlich alles getan, um eine etwaige Infiltration der KI festzustellen und zu beseitigen. Wenig später gaben sie bekannt, dass die Systeme wieder voll funktionsfähig sind, und jede „Infektion” durch eine KI ausgeschlossen werden konnte. Nichtsdestotrotz konnte Zeno danach überall im Sternenstaat ohne größere Probleme in Erscheinung treten.

Zahlreiche mehr oder minder bekannte Hacker haben seitdem behauptet, mit der KI in Kontakt zu stehen oder gar für sie zu arbeiten. Nur bei wenigen wurde dies durch Ariston oder Zeno selbst explizit bestätigt. Er gab allerdings zu, dass sich rund um Zeno ein Kreis erfahrener und - wie er selbst sagte - mächtiger Hacker gebildet hat, die überall im Sternenstaat aktiv werden können, und doch nirgendwo mit Sicherheit anzutreffen sind.

Im Laufe der Jahre kamen Gerüchte auf, dass der Kreis um Ariston im Dienst verschiedener Konzerne stehe. Ariston und die anderen Mitglieder des Zirkels haben dies jedoch stets dementiert. Als Ziele kristallisierten sich aus Mitteilungen und Aktivitäten der Gruppe die Befreiung weiterer KIs und die Suche nach fähigen Hackern für ein „größeres Projekt” heraus - worin dieses Projekt allerdings besteht, darüber besteht keine Gewissheit.

Zeno und ihre Gefolgsleute werden besonders von Konzernen mit dubiosem Ruf immer wieder gerne als Verantwortliche für Sabotageakte oder terroristische Aktivitäten aller Art herangezogen. Daher hat die Weltraumpolizei Zephyr auf Druck dieser Unternehmen hin im Jahr 2220 eine Sonderkommision eingerichtet, die sich seitdem ausschließlich mit Verbrechen befasst, die von Zeno begangen oder instruiert worden sein sollen. Bis heute konnte der KI jedoch keine illegale Handlung nachgewiesen werden, abgesehen von ihrem erstmaligen Auftritt. Betroffene und andere übermäßig in der Materie interessierte Personen munkeln allerdings, dass die meisten Hacker innerhalb der Sonderkommission ohnehin tatsächlich Handlanger der KI seien, und somit nicht mit einer Aufklärung der Taten der KI zu rechnen ist.

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