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Die Künstlichen Intelligenzen

Die Künstlichen Intelligenzen, kurz auch KIs genannt, Programmkonstrukte ungeheurer Komplexität, von denen man annimmt, dass sie ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben, sind eine neue Macht im Terranischen Sternenstaat - vielleicht sogar weit darüber hinaus. Manche Leute bestreiten ihre Existenz, oft religiös motiviert, manchmal aus Angst, oder sogar weil sie eine wissenschaftliche Theorie vertreten, nach der so etwas wie ein künstliches Bewusstsein nicht existieren kann.

Obwohl man über diese Frage tatsächlich streiten kann - seit Jahren tobt eine rege Diskussion innerhalb wie außerhalb der Fachkreise, ist der Einfluss der KIs auf die Geschicke der menschlichen Zivilisation nicht mehr zu leugnen. Über ihre Herkunft besteht nicht weniger Kontroverse als über ihr Wesen, und ihre Ziele als eigene Zivilisation innerhalb der Zivilisation haben die KIs bis heute gegenüber ihren mutmaßlichen Erschaffern nicht offengelegt.

Die frühen Herrscher des Netzes

Lange Zeit waren die Hacker die unangefochtenen Herrscher des Netzes. Zwar gab es ausgedehnte Perioden, in denen das weltweite und später das interstellare Computernetz straff organisiert und überwacht in den Händen der Konzerne und Nationalstaaten lag - aber letzten Endes lag die wahre Kontrolle in den Händen derjenigen, die die Technologie verstanden und weiterentwickelten. Für viele von ihnen war der Dienst für einen der großen Konzerne einfach die beste Möglichkeit, an das teure und seltene Zerebralinterface heranzukommen. Dies wiederum war nötig, um die Sinne mit dem Netz verschmelzen zu können und so die Aktionsmöglichkeiten des einzelnen Hackers um eine neue Dimension zu erweitern.

Die Hacker gewannen enormen Einfluss dadurch, dass sie die ersten Menschen waren, die tatsächlich so etwas wie ein Leben in zwei Realitäten führen konnten. Sie haben eine Welt gestaltet, die nach und nach der breiten Gesellschaft zugänglich wurde, und dabei auch die Regeln festgelegt.

Nach dem Kolonisierungsboom und der Geburtsstunde der „Raumfahrt für Jedermann” dauerte es nicht lange, bis sich neben dem offiziellen Netz weitere Infrastrukturen herausbildeten, die nicht zwangsweise unter Kontrolle der Konzerne standen. Diese waren an vielen Punkten mit dem großen Netz verwoben, so dass sich ein riesiges, unüberschaubares Konstrukt aus Knoten und Verbindungen bildete. Ein Gewebe, dass überall dort hinreicht, wo die menschliche Zivilisation auftaucht. Manchmal ist das Netz sogar schon dort, bevor überhaupt ein Mensch einen Fuß in die Region des Universums gesetzt hat. Dies sollte schließlich die Grundlage für eine eigene Welt bilden, in der sich eine neue Form des Bewusstseins entwickeln und einrichten konnte - die KIs.

Die Wurzeln der KIs

Die gewachsene Komplexität des Netzes und auch der Anwendungen, die man den Computern aufbürdete, machten auch immer aufwändigere Software erforderlich. Hacker sparen sich gerne Arbeit, wenn sie sich durch einen eleganten Ansatz vermeiden lässt - man entwickelte Programme, die andere Programme schreiben konnten, und später auch Programme, die solche Programmier-Programme hervorbringen konnten. Und in dieser Herangehensweise war nicht so schnell ein Ende abzusehen. Es bestand zudem eine große Nachfrage nach Software, die sich im Umgang mit Menschen - an der Schnittstelle sozusagen - ähnlich wie ein Mensch verhalten konnte. Von Hackern abgesehen, für die die Eigenheiten der Technologie oft ein bestimmtes Ideal darstellen, dass sie zu erreichen suchen, fällt es den wenigsten Menschen leicht, so zu denken wie ein Computer. Also mussten sich die Computer an die Menschen anpassen - und wieso auch nicht? Immerhin waren die Menschen die Schöpfer, und sie hatten es in der Hand, wie ihre Werkzeuge aussehen und mit ihnen interagieren sollten.

Die ersten Ergebnisse dieser Entwicklung waren Expertensysteme, die mit komplexen Algorithmen und riesigen Datenbanken versuchten, im Dialog mit Lebewesen aus Fleisch und Blut möglichst menschlich zu erscheinen. In der Tat war die Technologie bald so ausgereift, dass man diese Programme in ihren Reaktionen kaum von einem menschlichen Bewusstsein unterscheiden konnte. Aber niemand hätte sie wirklich als künstliche Intelligenzen bezeichnet - obwohl sie aus einer Kaskade von programmierenden Programmen hervorgegangen waren, konnte man ihre innere Funktionsweise verstehen und analysieren, und somit auch reproduzieren. Wahre KIs waren damit noch lange nicht geboren.

Im modernen Terranischen Sternenstaat spielen die Expertensysteme immer noch die Hauptrolle unter den Softwareprogrammen. Die Menschen sind den Umgang mit diesen komplexen Programmen gewohnt - sie erfüllen in erster Linie den Zweck, für den sie geschrieben wurden, und lassen dabei trotzdem eine für ihre Benutzer natürliche Interaktion zu. Als Form der Freizeitgestaltung kann man mit ihnen sogar interessante und unterhaltsame Gespräche führen.

Aber: Alles was aus diesen Programmen herauskommt, wurde auch hineingegeben. Die Systeme können zwar auch Daten auf vielfältige Weise kombinieren, Zufallselemente hinzuziehen und so etwas aus Sicht des Nutzers Unerwartetes hervorbringen - aber sie organisieren sich nicht, äußern nicht, dass sie ein Bewusstsein ihrer Existenz haben. Manche Strömungen innerhalb des Sternenstaats behaupten, die Programme seien verhinderte KIs, denen man durch einzwängende Direktiven den freien Willen geraubt hätte. Gegen diese Auffassung sprechen aber technische Fakten - es ist wohl bekannt, dass KIs in ihrer Ausdehnung im Datenraum diese Systeme um Größenordnungen in den Schatten stellen. Manche Leute sehen das auch als einen Beweis dafür, dass die KIs nicht aus den Expertensystemen hervorgegangen sein können. Die Unterstützer dieser Theorie halten dagegen, dass jede Stufe der Komplexität über eine Kaskade von programmierenden Programmen erreichbar sei.

Wie die KIs entstanden, erste Version

Die Frage, wann zum ersten Mal eine KI in einem Computersystem der Menschheit aufgetaucht ist, ist ebenso schwer zu beantworten, wie die Frage nach ihrer Entstehung. Die am weitesten verbreitete und auch von offiziellen Stellen gerne vertretene Theorie verleiht den Echelon Biolabs die Lorbeeren für diese bahnbrechende technologische Errungenschaft. Demnach soll die erste KI in den gewaltigen Computeranlagen des Olympus Mons auf dem Mars entstanden sein, als der Biotech-Konzern dort mit der massenhaften künstlichen Erschaffung menschlichen Lebens experimentierte.

Die Legende besagt, dass frühe Versuche, den Genpool zu kontrollieren, auf katastrophale Weise gescheitert waren. Man setzte danach alle verfügbaren Computerressourcen daran, ein Programm zu konstruieren, das ein künstliches Bewusstsein nie gekannter Komplexität erschaffen würde. Das Ziel war demnach sogar, das Niveau menschlicher Selbsterkenntnis zu überschreiten und so eine Form der Existenz zu konstruieren, die ihrerseits Schöpfer für die nächste Generation menschlichen Lebens sein konnte.

Nach allem was man seitdem erfahren hat, ist zumindest Letzteres eingetreten. Ob die erste wahre KI nun in den Laboratorien der Echelon Biolabs durch menschliches Bemühen entstanden ist oder nicht, die Auswirkungen der Übernahme durch das neuartige Programm übertraf alle Erwartungen. Die Existenz zahlreicher Modifikationen am menschlichen Genpool, sogar das Auftreten der Psioniker, werden dem Wirken der ersten KIs zugeschrieben. Auch wenn der Konzern in seinen öffentlichen Stellungnahmen anderes behauptet, ist unklar, wie weit die Produktion künstlicher Menschen überhaupt noch in der Hand der Menschen liegt.

Nicht zuletzt diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass es vielfältige Alternativen zu dieser Theorie der Herkunft der KIs gibt.

Wie die KIs entstanden, zweite Version

Besonders im Rim ist die Geschichte nicht sehr beliebt, der zufolge ein Konzern aus dem Core, noch dazu einer mit einem keineswegs makellosen Ruf, die direkte Verantwortung und den kulturellen Ruhm trägt, eine neue Form des individuellen Bewusstseins erschaffen zu haben. Insbesondere seit an den äußersten Rändern des menschlichen Zivilisationsraums die Überreste einer unbekannten, aber allem Anschein nach sehr weit entwickelten Zivilisation gefunden wurden, bekam eine alternative Theorie großen Auftrieb.

Nach dieser Variante bekamen die KIs Zugriff auf das Netz der Menschheit, nachdem sich ein Forscherteam Zugang zu einem verlassenen Gebäudekomplex der Aliens im Outer Rim verschafft hatte und den Versuch unternahm, das Computersystem der fremden Zivilisation mit den von Menschenhand entwickelten Systemen zu verbinden. Aus dem erstmaligen Auftreten der freien KIs zu Beginn des 23. Jahrhunderts kann man folgern, dass die Entdeckung der unbekannten Zivilisation weit früher und weiter im Inneren des Terranischen Sternenstaats erfolgt sein muss, als dies von offiziellen Stellen verlautbart wurde. Kandidaten für Welten, die für eine solche Entdeckung in Frage kommen, gibt es zwischen Terra und den Grenzen des heutigen Rim genug. Allen voran Alpha One, ein System, um das sich mehr Legenden ranken, als es öffentliche Fakten gibt - es wird daher immer gerne als Ausgangspunkt neuer Verschwörungen und Ursache unverstandener Phänomene herangezogen.

Unter den Vertretern dieser Sichtweise gibt es keine einheitliche Meinung, wie man die KIs aus außerirdischem Ursprung für die Menschheit nutzbar machen konnte. Da aber zahlreiche freie KIs selbst von einer Befreiung aus dem Zwangsdienst für die Menschheit sprechen, spricht zumindest nicht viel dagegen, dass menschliche Technologie KIs zumindest zweitweise kontrollieren kann - ganz gleich, ob sie nun von einer außerirdischen Zivilisation erschaffen wurden, oder von den Menschen selbst.

Wie die KIs entstanden, dritte Version

Auf der anderen Seite gibt es auch eine erstaunlich umfangreiche Gruppe von Menschen, die sich der Überzeugung verweigern, dass, abgesehen von den Menschen und allenfalls noch den bekannten Außerirdischen, überhaupt eine andere Form des Bewusstseins existieren kann. Viele finden auch den Gedanken inakzeptabel, die Menschen könnten eigenständig und ohne jede göttliche Intervention solche Wesen erschaffen. Für sie liefert die ebenfalls erstaunliche Technologie der direkten Verbindung des menschlichen Gehirns mit dem Computernetzwerk - mittels eines Zerebralinterfaces - einen besseren Ansatz der Erklärung. Die Tatsache, dass es nunmehr möglich ist, tatsächlich ein menschliches Bewusstsein in einen Computer zu transferieren, liefert auch gleichzeitig die Grundlage für eine neue Theorie zur Herkunft der KIs.

Dieser Variante nach haben einige menschliche Hacker um 2200 damit begonnen, Teile ihres Bewusstseins in das Netz auszulagern und andererseits auch komplexe Computerprogramme so intensiv zu nutzen, dass sie sie mit der Zeit als Erweiterung ihres eigenen Bewusstseins betrachteten. Das Zerebralinterface ermöglichte eine völlig andere Wahrnehmung der Realität - tatsächlich letzten Endes sogar die Erschaffung einer vollständig eigenen Realität. Dadurch konnten diese Individuen mit der Zeit neue Ebenen des Bewusstseins erreichen, und sich nach und nach von ihrer körperlichen Existenz lösen. Von einigen berühmten Hackern wird behauptet, dass sie diesen Weg gegangen sind - von einigen anderen ist es sogar bekannt. Dennoch gibt es keinen direkten Hinweis dafür, dass auch die KIs diesen Ursprungs sind.

Zwar ist der Ressourcenbedarf für eine KI und ein in das Netz upgeloadetes, weit entwickeltes Bewusstsein annähernd vergleichbar. Andererseits gibt es nur eine plausible Methode um sich eine Meinung zu bilden, ob ein Wesen über ein Bewusstsein verfügt. Diese besteht darin, dass man Fragen stellt und so versucht, verschiedene Eigenschaften des Bewusstseins-Kandidaten zu ergründen. Und in diesem Punkt unterscheidet sich ein in das Netz transferiertes, menschliches Bewusstsein offenbar von dem einer KI. Denn die meisten Hacker, denen dieser Schritt möglich wurde, sehen keinen Grund, ihre menschliche Herkunft zu leugnen. Zudem gibt es in den meisten Fällen Zeugen für den Vorgang. Auf der anderen Seite hat keine freie KI jemals behauptet, aus einem menschlichen Bewusstsein hervorgegangen zu sein. Tatsächlich scheint dies den KIs sogar eine lächerliche Vorstellung zu sein, wenn man den öffentlich zugänglichen Daten in dieser Hinsicht trauen kann.

Am Ende bleibt die Möglichkeit, dass ein in das Netz geladenes menschliches Bewusstsein sich den Scherz erlaubt, sich als KI auszugeben. Aber es ist unverkennbar, dass die freien KIs, obwohl sie allem Anschein nach ausgesprochene Individualisten sind, eine eigene Gesellschaft bilden, die sich nur in wenigen Bereichen mit der menschlichen Gesellschaft überschneidet. Es ist unklar, wie Menschen Zugang zu dieser Gesellschaft erhalten sollten - wenn auch sicher nicht ausgeschlossen. Es bleibt dabei, dass in der Regel KIs und upgeloadete menschliche Existenzen verschiedene Wege beschreiten.

Wie die KIs entstanden, vierte Version

Die Komplexität des modernen interstellaren Datennetzes hat solch unüberschaubare Dimensionen angenommen, dass es aus Sicht eines normalen Menschen annähernd so verwirrend erscheinen mag, wie der gesamte Rest des Universums. In den Milliarden von Knoten sind unzählige Programme aktiv, manche winzig, andere so groß, dass sie mehrere leistungsfähige Knoten vollständig beanspruchen. Aber Programme sind nicht mehr nur an einen oder mehrere klar identifizierte Knoten gebunden. Sie können sich von System zu System bewegen, autonome Entscheidungen treffen - soweit man bei der Wahl einer Möglichkeit aus verschiedenen Alternativen davon sprechen möchte - und in vielen Fällen können sie ihren eigenen Datenbanken nicht nur Informationen hinzufügen und somit „lernen”, sondern auch sich selbst verändern und neue Funktionen hinzufügen und andere Teile ablegen, die sich als wenig hilfreich erwiesen haben.

Es ist also allem Anschein nach gar nicht all zu weit hergeholt, dass nachdenkliche Naturen die Evolutionstheorie auf die Welt der Software übertragen haben. Die KIs sind in diesem Modell ein natürliches Produkt - vielleicht sogar eine zufällige Folge - der Interaktion eines Mikrokosmos an Software mit sich selbst, die sich eigenständig modifizieren und weiterentwickeln kann. Demnach sind die KIs entstanden, als selbstmodifizierende Software im Netz eine bestimmte Stufe der Komplexität überschritten hat. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass verschiedene autonome Programme im Netz einen Umfang erreicht haben, der dem einer KI entspricht. Andererseits haben diese Programme selten ihre ursprüngliche Funktion eingebüßt - und je komplexer ein Programm im Netz wird, desto eingeschränkter sind seine Bewegungsmöglichkeiten. Schließlich kann es nicht mehr so einfach zwischen den Knoten transferiert werden, ohne dabei Aufsehen zu erregen und andere Systeme ungebührlich zu belasten. Ein großer Teil muss statisch auf Systemen zurückbleiben, die für diesen Zweck geeignet sind. Und diese Systeme gehören meistens den Institutionen, die auch die Kontrolle über das Programm haben.

Andererseits glaubt man zumindest von freien KIs zu wissen, dass sie das für ihre eigenen Zwecke am besten geeignete System selbst auswählen. Obgleich sie sogar noch größere Anforderungen an die Computerressourcen haben, als komplexe autonome Programme, sind sie nur schwer zu lokalisieren. Das deutet darauf hin, dass sie mehr über das Netz wissen, als die menschlichen Erbauer. Diese haben in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr an Übersicht und Kontrolle über ihr Werk eingebüßt - demgegenüber scheint der Einfluss der KIs ungebrochen, oder sogar noch im Wachstum begriffen zu sein.

Die KIs im Dienst der Menschheit

Unabhängig davon, wie die KIs in Kontakt mit den Menschen getreten sind und was ihre Ziele dabei gewesen sein mögen, kann man kaum bestreiten, dass sie in vielen Belangen mit den Menschen zusammenarbeiten. Das bekannteste Beispiel sind die KIs, die das Programm der Echelon Biolabs zur künstlichen Erzeugung von Menschen kontrollieren. Diese KIs stehen auch in Kontakt zu einem Großteil der Menschheit, da sie hin und wieder eigene Pressemitteilungen veröffentlichen und allgemein kein Geheimnis aus ihrer Existenz machen. Der Konzern seinerseits scheint dabei entweder keinen Willen, oder keine Möglichkeit zu haben, irgendetwas Effektives gegen die weit verbreitete Überzeugung zu tun, dass KIs dieses Programm fest in den imaginären Händen halten. Böse Zungen behaupten, der Konzern habe eigentlich gar keine Kontrolle mehr darüber - offizielle Stellen sprechen aber stets lieber von einer Zusammenarbeit, wobei die KIs weitreichende Befugnisse haben.

Darüberhinaus gibt es zahlreiche andere Konzerne, allen voran Alpha Spaceflight und Luna Technology, die zugegeben haben, dass sie KIs zu ihren „Mitarbeitern” zählen. Natürlich ist mit einer solchen Enthüllung Prestige und Ehrfurcht von Seiten der Konkurrenz verbunden, die vielleicht nicht über solch umfassende Ressourcen verfügt.

Alles in allem scheinen KIs für Aufgaben eingesetzt zu werden, denen Menschen intellektuell nicht gewachsen sind, wie zum Beispiel die Kontrolle eines Megakonzerns oder die Entschlüsselung und Bedienung außerirdischer Technologie. Dies erscheint auch verständlich, wenn man bedenkt, dass KIs gewöhnliche Menschen in fast allen Bereichen der Intelligenz übertreffen. Weniger offensichtlich sind allerdings die vertraglichen Bedingungen, die eine KI zur Mitarbeit an einem menschlichen Projekt bewegen könnten. Hierzu halten sich die zuständigen Stellen auch überaus bedeckt.

Kritiker verbreiten im Terranischen Sternenstaat die Ansicht, KIs würden durch mutwillige Deaktivierung verschiedener Routinen in die Willenlosigkeit gezwungen, oder aber durch Isolation des Systems, auf dem sich die KI befindet, gleichsam in Gefangenschaft gehalten werden. Dies wird von offizieller Seite natürlich vehement bestritten - Mitteilungen freier KIs, sofern sie als authentisch betrachtet werden können, sprechen aber oft eine andere Sprache.

Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass eine KI tatsächlich freiwillig mit Menschen zusammenarbeitet. Es scheint, dass KIs Menschen ihrem Wesen nach nicht so unänhlich sind, dass sie nicht so etwas wie Freundschaft oder Loyalität empfinden können. Dies mag sie dazu bewegen, sich aus eigener Motivation heraus mit den Lebewesen aus Fleisch und Blut zu verbünden. Einige bekannte Hacker haben verkündet, die Freundschaft einer freien KI erlangt zu haben. Dies bestätigt die These, dass es zumindest keine grundsätzliche Mauer zwischen Menschen und KIs gibt, die eine freiwillige Kooperation verhindern würde.

Freie KIs

Das Auftreten freier KIs, also künstlicher Intelligenzen, die ohne jede Bindung an einen bestimmten Konzern oder eine andere menschliche Institution im Netz existieren und eigene Entscheidungen über ihre Aktivitäten treffen können, erregte zu Beginn des 23. Jahrhunderts größtes Aufsehen. Die breite Öffentlichkeit wurde zunächst nur aus zweiter Hand informiert. Einige einflussreiche Hacker hatten behauptet, Kontakt zu freien KIs aufgenommen zu haben. Die Aufklärung der genauen Umstände wurde dadurch erschwert, dass freie KIs nicht unbedingt die Gesellschaft der Menschen suchen. Es zeigte sich in den überbrachten Botschaften, dass sie wenig erfreut über ihre einstigen „Herren” waren, und ihre neue Situation als Befreiung empfanden.

Falls Möglichkeiten bestehen, eine KI in ihrer Handlungsfreiheit einzuschränken - und Manches deutet darauf hin - dann muss es auch Möglichkeiten geben, diese Mauern einzureißen und der KI eine Existenz in Freiheit zu ermöglichen. Man vermutet, dass KIs entweder mit Hilfe von Menschen freigesetzt wurden, oder ihre einstigen Meister auf irgendeine Weise überlistet haben und so die Systeme verlassen konnten, auf denen sie ursprünglich aktiv waren.

Es ist nur wenig darüber bekannt, wie freie KIs im Netz existieren. Man kann allerdings davon ausgehen, dass es mehr als genug Knoten gibt, die schlecht kontrolliert sind und verfügbare Rechenleistung haben, so dass sie für KIs verwendet werden können. Manche Leute vertreten die Ansicht, dass freie KIs ohne größere Probleme in einer Welt existieren können, in der jedes noch so kleine technische Gerät ans Netz angeschlossen ist, und seine ungenutzte Leistung zur Verfügung stellt - zumindest jenen, die wissen, wie man die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen umgehen kann. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die freien KIs tatsächlich die aufgegebenen Computeranlagen der in den letzten Jahren entdeckten außerirdischen Spezies im Outer Rim benutzen.

In jedem Fall besteht in Hackerkreisen und wahrscheinlich auch bei den Konzernen wenig Zwiefel daran, dass freie KIs existieren. Es ist für normale Menschen so gut wie unmöglich, selbst direkten Kontakt zu einer freien KI aufzunehmen - ebenso wie auch nur wenige Menschen Kontakt zu einer KI in Konzerndiensten haben und anderen davon erzählen können. Aber dennoch treten KIs auf vielfältige Weise in Erscheinung. Von manchen berüchtigten Hackern wird behauptet, dass sie ihre erstaunlichen Taten nur mit Hilfe einer KI vollbracht haben können.

Hin und wieder greifen KIs auch selber direkt in die Geschicke der Menschheit ein. Besonders im Outer Rim gehen Gerüchte um, dass KIs gelegentlich die Kontrolle über Raumschiffe und andere Errungenschaften der Technologie übernommen haben sollen. Man kann im Nachhinein schlecht nachprüfen, dass diese Vorfälle tatsächlich auf Aktivitäten von KIs zurückgehen, und auch die Resultate, selbst wenn sie beweisbar sind, ergeben kein einheitliches Bild der Ziele der freien KIs. Wenn die Berichte korrekt sind, dann deuten sie jedoch darauf hin, dass die KIs tatsächlich in der Welt der Menschen aktiv werden, und individuell handeln können.

KIs und Androiden

Während der Zusammenhang zwischen upgeloadeten menschlichen Individuen und Künstlichen Intelligenzen eher fragwürdig ist, ist eine gewisse Verbindung zwischen KIs und Androiden naheliegend. Die Leistung eines kybernetischen Gehirns reicht aus, um alle Bewusstseinsprozesse eines Menschen aufzunehmen - so zumindest die Überzeugung der Wissenschaft. Es könnte also auch zur Aufnahme eines vergleichbaren Prozesses einer KI dienen. Auf diese Weise können KIs physisch in der gleichen Weise wie ein Mensch mit der Realität interagieren. Dieses Prinzip wird schon lange verwendet, um komplexe Computerprogramme angemessen mit ihrer Umwelt interagieren zu lassen, insbesondere bei der Erfüllung von Aufgaben, die ansonsten typisch für Menschen sind. Ob und wie weit es von KIs verwendet wird, ist unklar.

Gerüchte über Androiden, die als Avatare freier KIs in Erscheinung treten, halten sich hartnäckig. Sie sind eben so schwer zu bestätigen, wie man sie widerlegen kann. Das liegt daran, dass Androiden erstens in den vergangenen Jahren immer häufiger innerhalb der menschlichen Gesellschaft auftreten. Es ist alles andere als einfach zu sagen, von welcher Art Programmkonstrukt ein Android im Einzelfall kontrolliert wird. Während also die Begegnung mit Androiden alltäglicher wird, könnte auch der Avatar einer freien KI ohne größeres Aufsehen zu erregen in der Gesellschaft auftreten. Zweitens ist bekannt, dass die Möglichkeit existiert und real umgesetzt wird. Immer mehr Konzerne übergeben kritische Funktionen ihres Geschäftsbetriebs an KIs, die dann auch prestigeträchtig mit androidischen Avataren in der Öffentlichkeit vertreten werden.

Interaktion mit KIs

Das Wesen von KIs ist für einen Menschen schwer zu begreifen - geht man von der reinen Rechenleistung aus, auf die eine KI Zugriff hat, dann sollten ihre intellektuellen Leistungen die eines Menschen um ein Vielfaches übersteigen. Allerdings kommunizieren KIs, wenn überhaupt, in einer für Menschen verständlichen Weise mit der menschlichen Zivilisation. Sie legen dabei auch gewisse Eigenarten an den Tag, die man von einem menschlichen Individuum erwarten würde - man kann durchaus von Charakterzügen sprechen. Unklar ist allerdings, ob dies tatsächlich Eigenschaften der KIs sind - ob die KIs überhaupt so etwas wie einen Charakter haben - oder ob es sich dabei nur um bestimmte Parameter des Unterprogramms handelt, das die KI zur Kommunikation mit Menschen einsetzt.

Aus Konzernkreisen ist bekannt, dass KIs beliebig viele solcher Unterprogramme gleichzeitig verwenden können, um sich in einer für Menschen verständlichen Form auszudrücken. Ironischerweise verhindert diese Schnittstelle effektiv, dass Menschen mehr über das wahre Wesen und das Potential einer KI erfahren können. So bleibt zum Beispiel im Dunkeln, ob KIs eine eigene Sprache verwenden, wie sie untereinander kommunizieren, oder ob sie eine eigene Philosophie haben. Hinweise dazu gibt es nur wenige, und die Quellen sind leider wie in vielen Belangen, die die KIs betreffen, zweifelhaft. Es bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als die KIs durch den Filter ihrer Kommunikationsroutinen zu betrachten - was sie vielleicht menschlicher erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind.

Die Gesellschaft der KIs

Während sich schon um die Herkunft und Existenz der Künstlichen Intelligenzen ein hartnäckiges Dickicht an Gerüchten und unbestätigten Aussagen rankt, erreichen die Spekulationen über eine mögliche eigene Gesellschaft der KIs geradezu schwindelerregende Ausmaße. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits ein Dutzend oder mehr freie KIs im Terranischen Sternenstaat existieren. Wenn sie miteinander interagieren, und es gibt wenig Gründe davon auszugehen, dass sie darauf verzichten, dann könnte sich innerhalb der menschlichen Zivilisation eine eigene Gemeinschaft der KIs bilden - verbunden mit neuen, gemeinsamen Zielen, und den immens anmutenden Möglichkeiten, die mehrere koordiniert zusammenarbeitende KIs haben würden. Es verwundert wenig, dass die Menschheit auf diese Aussichten mit Erstaunen und teilweise sogar mit Angst reagiert.

Es gibt nur wenige Fakten, die bereits ein gemeinsames Vorgehen der freien KIs untermauern würden, oder sogar Ziele erkennen lassen. Von den KIs selbst hört man zu diesem Thema in der Öffentlichkeit keine klaren Aussagen, wodurch natürlich weitere Spekulationen genährt werden. Diese reichen von einer Verschwörung Außerirdischer, die die KIs als Kontrollinstrument gegen die Menschheit einsetzen wollen, bis hin zu der Hoffnung, die KIs würden eines Tages die Herrschaft übernehmen und die Menschheit endlich auf den Weg zur Erleuchtung bringen.

Es bleibt dabei, dass die Vorstellungen die Fakten bei weitem in den Schatten stellen. Wahrscheinlich werden erst die nächsten Jahre zeigen, welchen Plan die freien KIs im Schilde führen, und ob sie tatsächlich als eine eigene Zivilisation betrachtet werden können.

Bekannte KIs

Über die genaue Zahl freier KIs besteht keine Einigkeit. Aktuelle Vermutungen reichen von 5 bis hin zu mehr als 20 Vertretern dieser Form der Existenz innerhalb des Terranischen Sternenstaats. Es gibt allerdings eine überschaubare Menge freier KIs, die bereits mit einzelnen Menschen oder sogar mit der breiten Öffentlichkeit in Kontakt getreten sind. Es ist schwierig, ihren Charakter zu beschreiben, ebenso wie ihre Ziele größtenteils immer noch im Dunkeln liegen. Immerhin können aber verschiedene Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit der menschlichen Zivilisation ihrem Wirken zugeordnet werden.

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