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Psioniker

Auch dreißig Jahre nach ihrem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit kämpfen die psionisch begabten Menschen noch immer um ihren Platz in der Gesellschaft. Ein Großteil der Bevölkerung im Terranischen Sternenstaat betrachtet sie mit großem Misstrauen, wenn nicht gar mit unverhohlener Ablehnung. Viele Bürger fühlen sich durch die Psioniker und ihre unberechenbaren Fähigkeiten bedroht. Auf der anderen Seite werden sie gerade von den Konzernen und staatlichen Behörden als begehrte Ressource angesehen. Für viele Psioniker endet die Suche nach Integration daher schon frühzeitig in einem der Psi-Corps. Dort haben sie zwar einen festen Platz in der Hierarchie der Psioniker, aber letzten Endes sind sind sie ihr Leben lang der Disziplin und den strengen Regeln des Corps unterworfen und dabei gesellschaftlich trotz allem isoliert.

Offiziell allen anderen Menschen rechtlich gleichgestellt, unterliegen die Psioniker faktisch einer erheblichen Reglementierung und Kontrolle durch die Behörden und die misstrauische Öffentlichkeit. Vielen gemäßigten Psionikern bleibt als Ausweg nur das Untertauchen in den Randgruppen der menschlichen Zivilisation. Andere fühlen sich als überlegene Exemplare einer neuen Gattung von Menschen. Sie nutzen ihre Kräfte insgeheim zu ihrer persönlichen Bereicherung und bestätigen damit die schlimmsten Befürchtungen der Skeptiker.

Herkunft

Die Psioniker entstammen, wie alle anderen „Künstlichen”, ursprünglich den Laboren der Echelon Biolabs. Nachdem die Kontrolle über den Genpool für die künstliche Produktion von Menschen den Künstlichen Intelligenzen übertragen wurde, dauerte es nur wenige Jahre, bis die ersten Psioniker auftauchten. Sie wurden um 2210 als Säuglinge an die üblichen Abnehmer unter den Konzernen und staatlichen Institutionen ausgeliefert und dort auf herkömmliche Weise aufgezogen. All dies geschah unbeobachtet von der Öffentlichkeit, bis sich schließlich die besonderen Fähigkeiten der Kinder offenbarten. Einige Konzerne versuchten das Phänomen zunächst selbständig zu analysieren und für sich nutzbar zu machen. Doch die beobachteten Modifikationen waren nicht mit bestehender Technologie und neusten wissenschaftlichen Theorien erklärbar. So wandten sich die zuständigen Abteilungen der Konzerne schließlich um Erklärung ersuchend wieder an die Quelle. Doch auch das Unternehmen Echelon Biolabs, als Urheber der künstlichen Menschen, stand dem Phänomen zunächst ratlos gegenüber. Die KIs selbst hatten ihre menschlichen „Meister” zuvor nicht über derartige Modifikationen informiert. Die Tatsache, dass sie sich nicht auf rein kosmetische Veränderungen am Genpool beschränkten, traf die Wissenschaftler vollkommen unvorbereitet. Ein erstes Gefühl der Ohnmacht gegenüber den Absichten der Künstlichen Intelligenzen machte sich in den Kreisen der Eingeweihten breit.

Natürlich wurde schon kurz nach Bekanntwerden der Existenz der Psioniker versucht, eine größere Kontrolle über deren Verbreitung zu erlangen. Doch es hatte nicht den Anschein, als wollten sich die KIs in die Karten schauen lassen. In der Tat gehen die schärfsten Kritiker des Projekts sogar davon aus, dass die KIs aktiv verhindert haben, dass die Menschen nennenswerten Einfluss auf den Anteil der Psioniker in der Herstellung und Verteilung der Künstlichen nehmen. Wie genau sie dabei vorgingen liegt im Dunkeln. Aber die wissenschaftlichen Grundlagen der psionischen Kräfte waren in dieser Zeit noch nicht niedergeschrieben. Die ersten Wissenschaftler, die sich mit dem Phänomen befassten, mussten es von Grund auf analysieren und eine neue Disziplin der Wissenschaft aus der Taufe heben, die Psi-Theorie. Erst nach und nach setzte ich de Überzeugung durch, dass man es nicht mit einem Wunder, sondern mit einer extrem fortgeschrittenen Technologie und deren biologischer Implementierung zu tun hatte. Dies wiederum warf aus Sicht der Menschheit einen neuen Schleier des Misstrauens auf die Künstlichen Intelligenzen und deren wahre Absichten.

Die ersten Psioniker

Die ersten Psioniker waren kaum in der Lage, ihre Kräfte gezielt einzusetzen. Erstens handelte es sich bei ihnen noch ausnahmslos um Kleinkinder, zweitens standen keine Erwachsenen mit der nötigen Erfahrung zur Verfügung, die Einfluss auf die Entwicklung der Kräfte in den Heranwachsenen hätten nehmen können. So waren die Kinder auf Experimente angewiesen, an die sie auch vollkommen unbefangen herangegangen sind. Überlässt man Psioniker in der Phase der frühesten Entwicklung sich selbst, dann können ihre Kräfte höchst unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Meist sind die sichtbaren Auswirkungen jedoch eng an den Charakter der Person und den jeweiligen Gemütszustand gekoppelt. Die ersten Berichte über angewandte Psi-Kräfte handelten von geringfügigen Beeinflussungen der Stimmung anderer, meist in Person der völlig überraschten Betreuer der psionisch begabten Kinder. Aber auch von drastischeren Effekten, wie etwa völlig unmotiviert explodierendem Spielzeug und plötzlich in Flammen aufgehender Kleidung, wurde berichtet. Traditionelle pädagogische Methoden hatten anscheinend nur einen äußerst unbefriedigenden Einfluss auf die Urheber der Effekte. Manche Konzerne versuchten daher auch, mit Drogen und virtueller Realität Einfluss auf die Entwicklung der Kinder zu nehmen. Aus dieser frühen Periode in der Geschichte der Psioniker sind der Öffentlichkeit nur unzureichende Aufzeichnungen verfügbar. Es wird vermutet, dass sich das Problem mit der Zeit von selbst löste, als aus den Kindern Erwachsene wurden. Nicht wenige dieser Erwachsenen blieben den Konzernen treu, von denen sie aufgezogen worden waren. Sie wurden Lehrer für die kommenden Generationen von Psionikern und legten den Grundstein für die späteren Psi-Corps.

Psionische Kräfte

Psionische Kräfte können bei kontrollierter Anwendung höchst unterschiedliche Effekte in der physikalischen Realität hervorrufen. Nach der modernen Psi-Theorie ist der Urheber der psionischen Kräfte eine spezielle Region im Gehirn, die nur bei aktiven Psionikern in voller Ausprägung vorhanden ist. Bei einigen anderen Arts oder deren Nachfahren ist ein solches Psi-Zentrum im Gehirn ansatzweise erkennbar, jedoch ist es nicht immer in der Lage, auch wirklich Psi-Kräfte hervorzurufen. Es scheint aber zumindest eine gewisse Rolle beim bewussten Widerstand gegen die Beeinflussung des Gehirns durch psionische Kräfte zu spielen. Mit modernen medizinischen Scannern ist ein aktives Psi-Zentrum immer als Quelle breitbandiger, wenn auch nicht sehr starker, elektromagnetischer und gravitativer Strahlung erkennbar. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Psi-Zentrum einen direkten Einfluss auf die Raumzeit hat. Dem Modell nach formt das Psi-Zentrum durch willentlichen Befehl des Psionikers eine Art von winzigen Maschinen, die unmittelbar in die Struktur des umgebenden Raums eingebettet werden und dann weitgehend autonom funktionieren. Die Energiebilanz der Vorgänge stellte die Forscher aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit nicht lange vor ein Rätsel. Denn während die Menschen lange Zeit und auf spektakuläre Weise an der Nutzbarmachung der Nullpunktenergie (ZPE) gescheitert waren, hatten die KIs den Psionikern diese unerschöpfliche Energiequelle auf elegante Art zugänglich gemacht.

Das Spektrum der bekannten psionischen Kräfte beginnt bei den einfachsten Beeinflussungen der Gedanken und des Willens anderer Menschen, die schon lange Zeit in anderem Zusammenhang als Hypnose und Telepathie bekannt waren. Psioniker können ihre eigenen Gedanken an andere Leute übertragen und suggestiv auf deren Willen einwirken. Disziplinierte Psioniker sind sogar in der Lage, diese Effekte auf das regelrechte Lesen von Gedanken oder die vollkommene Übernahme der Kontrolle über eine andere Person auszudehnen. Dieser Aspekt der Psi-Kräfte ist nicht zuletzt auch die Ursache für das Misstrauen, das den Psionikern innerhalb der Gesellschaft auf breiter Basis entgegengebracht wird.

Nicht alle psionischen Kräfte sind so subtil wie die Telepathie und die Hypnose. Psioniker können mit ausreichend Übung und Energiereserven nahezu jeden physikalischen Effekt erzeugen, darunter auch destruktive Energieentladungen und Kraftfelder aller Art. In der Praxis wird dies jedoch nicht häufig beobachtet - Psioniker werden gerade wegen ihrer Unauffälligkeit gesucht. Allerdings ermöglichen Fähigkeiten wie Energiekontrolle und Telekinese der Psionikerin selbst ohne jede Bewaffnung ein beträchtliches offensives und defensives Potential. Komplexere Effekte in dieser Kategorie stellen eine besondere Herausforderung für Psioniker dar. Theoretisch ist es aber auch möglich, eine Maschine über das Psi-Zentrum mit Energie zu versorgen oder eine Energiezelle aufzuladen. Sehr geübte Psioniker können auch die ansonsten eher als grobes Werkzeug bekannten telekinetischen Effekte einsetzen wie ihre eigenen Hände und damit komplexe Manipulationen durchführen.

Neben den auf die Außenwelt gerichteten Psi-Kräften gibt es auch solche, die nach innen gewandt sind. Dazu gehört die Fähigkeit, Einfluss auf den eigenen Organismus zu nehmen und die Sinneswahrnehmungen zu intensivieren oder sogar über den für Menschen gewöhnlichen Bereich hinaus zu erweitern. Mittels Biomanipulation kann ein Psioniker das Immunsystem stärken, körperliche Funktionen stabilisieren und Verletzungen heilen. Trotz der technischen Komplexität dieser Effekte sind sie vergleichsweise einfach, oft für den Psioniker sogar einfacher als vergleichbare Manipulationen an unbelebter Materie. Die Gründe dafür sind nicht abschließend geklärt, es wird allerdings vermutet, dass das Psi-Zentrum, selbst ein biologisches Organ, einfacher Einfluss auf biologische Strukturen nehmen kann.

Raumzeitliche Effekte und Transzendenz

Wenn es einen größeren Plan der KIs für die Psioniker geben sollte, so zeigt sich dieser nicht zuletzt vielleicht in den komplexesten Kräften, die eine Psionikerin sich nutzbar machen kann. Dabei setzt sie das Psi-Zentrum nicht mehr ein, um über den Umweg einer in die Raumzeit eingebetteten „Maschine” materielle Objekte zu manipulieren. Vielmehr kann mit den fortgeschrittensten Kräften die Struktur der Raumzeit selbst verändert werden. Angefangen bei geringfügigen Beeinflussungen wie kleinen Zeit- oder Ortsverschiebungen kann ein Psioniker erheblichen Einfluss auf den Ablauf der Zeit und die räumliche Position von Objekten nehmen. Die beeindruckendsten Effekte dieser Kategorien nehmen in Form der Teleportation und der Zeitverschiebung Gestalt an, sei es nun lediglich auf der Ebene der Wahrnehmung oder tatsächlich körperlich. Und schließlich besteht für einige wenige ausreichend mächtige Psioniker sogar die Möglichkeit, ihren eigenen Geist in die Struktur des Universums einzubetten - ein selbst 2246 noch wenig erforschter Effekt, der in Fachkreisen als „psionische Transzendenz” bezeichnet wird. Nach den Vorhersagen der Theorie und bekannter Selbstversuche unerschrockener Psioniker kann dies auf verschiedene Weise erfolgen. Zum Einen werden die Bewusstseinsfunktionen auf rein energetischer Ebene übertragen, wobei von „räumlicher Transzendenz” gesprochen wird, zum Anderen ist dies aber auch auf raumzeitlicher Ebene möglich, was dann als „raumzeitliche Transzendenz” bezeichnet wird. Bei beiden Effekten bleibt der Körper der Psionikerin unversehrt, so dass sie in die alte Form der körperlichen Existenz zurückkehren kann.

Multiversale Effekte

Die überwiegende Mehrheit der Psi-Theoretiker des Terranischen Sternenstaats ist sich noch nicht einig, ob die mit Psi-Kräften erzielbaren Effekte tatsächlich an den Grenzen der Raumzeit und damit der grundlegenden Struktur unseres Universums enden. Theoretisch wäre es denkbar, dass eine Psionikerin ausreichende Energiemengen und überlegene Kontrolle über ihre Kräfte manifestieren kann, so dass sie tatsächlich ihre in die Raumzeit eingebettete Existenz hinter sich lassen und eine noch höhere dimensionale Ebene erreichen kann. Der Theorie nach würde ein Psioniker somit zu einem Objekt innerhalb des Multiversums mit einem eigenen universellen Status. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, ob jemals ein Psioniker tatsächlich ein solches Ausmaß an Perfektion in der Ausübung seiner Kräfte erreicht hat. Nicht zuletzt legt das gesamte theoretische Konzept nahe, dass es sich bei Erlangung dieser „multiversalen Transzendenz” um einen Weg handelt, der nur in eine Richtung beschritten werden kann.

Rekrutierung

Gleich wie mächtig ein Psioniker im Verlauf seines Lebens der Theorie nach auch werden kann, es ist unwahrscheinlich, dass sie im Terranischen Sternenstaat vollkommen unbehelligt ihres Wegs gehen kann. Die Konzerne haben nicht lange gezögert, die Psioniker und ihre neuartigen Möglichkeiten als tragende Säule in ihre Unternehmensstrategien einzubauen. Auch die Behörden erkannten das Potential, das die Psioniker in der Umsetzung der staatlichen Aufgaben erfüllen könnten. Das einzige Problem war dabei, an ausreichend mächtige und kooperative Psioniker heranzukommen - wie sich zeigte zwei Eigenschaften, die sich bei freien Psionikern nicht gut miteinander vertrugen. So wurde im Laufe der Zeit ein ganzes Bündel an Maßnahmen ersonnen, um das volle Potential der Psioniker in den Plänen der Konzerne zu entfalten.

An allen staatlichen Schulen und an den Bildungseinrichtungen der Konzerne wird bei neu aufgenommenen Schülern eine medizinische Untersuchung durchgeführt. Schon wenige Jahre nach Bekanntwerden der Existenz von Psionikern und kurz nach der Entdeckung des Psi-Zentrums als Ursache der Kräfte wurden diese Routinetests um spezielle Scans erweitert. Mittels dieser Technologie kann nun ein Psi-Zentrum im Gehirn mit großer Sicherheit entdeckt werden. Wird ein Psioniker in jungen Jahren identifiziert, dann setzt sich umgehend eine intensive Rekrutierungsmaschinerie in Bewegung. Sind die Eltern des Kindes bereits selbst Konzerner oder gar Psioniker, so hat das Psi-Corps üblicherweise leichtes Spiel, da die Arbeitsverträge einen solchen Fall bereits abdecken. Anderenfalls werden den Eltern verlockende Angebote dafür gemacht, ihr Kind in die Konzernlaufbahn zu schicken. Sind die Rahmenbedingungen geklärt, beginnt das Kind eine umfangreiche Ausbildung an einer der Psi-Akademien, an dessen Ende prinzipiell der lebenslange Dienst in einem Psi-Corps steht.

Dem Gesetz nach kann natürlich keine Person dazu gezwungen werden, derartige Verträge zu unterzeichnen. In der Praxis muss sich also die rekrutierende Institution auch drastischerer Methoden bedienen, um einen Psioniker zum Dienst in seinem Psi-Corps zu verpflichten. Das Spektrum beginnt bei einfachen materiellen Anreizen und schließt auch illegale Methoden nicht aus. Diese können von mehr oder weniger schwerer Erpressung bis hin zur Entführung oder sogar dem Einsatz mächtigerer Psioniker zur Beeinflussung unkooperativer Vertragspartner reichen. Natürlich gibt kein größerer Konzern offen zu, solche Methoden zu verwenden. Aber die Lebenswirklichkeit der freien Psioniker spricht eine andere Sprache.

Kleinere Konzerne verfügen im Gegensatz zu den Megakonzernen meist nicht über eine perfekt organisierte Rekrutierung. Trotzdem sind sie nicht minder an den wertvollen Diensten der Psioniker interessiert. Sie setzen daher weniger auf Manipulation, als vielmehr auf besondere Anreize, um eine Psionikerin zur Mitarbeit zu bewegen. Diese Anreize können im einfachen Fall materieller Natur sein. Oft bestehen sie aber auch darin, dass das Unternehmen sich verpflichtet, dem Psioniker bestimmte Freiheiten zu gewähren. Ein Unternehmen kann beispielsweise seine Kontakte zu größeren Konzernen oder den lokalen Behörden einsetzen, um einen Psioniker vor Übergriffen durch Dritte zu schützen. Alles in allem ist die Arbeit in einem kleineren Konzern für einen Psioniker keine universelle Garantie für ein Leben in Freiheit. Sie bietet aber oft mehr Gestaltungsmöglichkeiten, eine bessere Verhandlungsbasis und zumindest die Chance auf eine weniger exponierte Position innerhalb der Gesellschaft.

Psi-Akademien

Psioniker, die von einem Konzern oder einer Organisation des Terranischen Sternenstaats verpflichtet wurden, beginnen ihre Ausbildung in einer der Akademien für Psionische Studien, auch Psi-Akademien genannt, die sich auf strategisch positionierten Kolonien im gesamten Zivilisationsraum befinden. Es wird geschätzt, dass es mindestens zwei Dutzend solcher Akademien gibt. Die genauen Positionen und Organisationsstrukturen der Psi-Akademien sind Geschäftsgeheimnisse der Konzerne oder der Regierung. Allerdings haben einige Akademien sich einen Ruf etabliert, der die Geheimhaltung letzten Endes sprengen konnte. Dazu zählen die Tycho-Akademie von Luna Technology auf Luna und die Akademie für Psioniker des Terranischen Sternenstaats im Rana-Sektor (Sektor γ(1▪0▪-1)). Psioniker, die von diesen Akademien graduieren, sind ideale Kandidaten die Führungspositionen in den Psi-Corps und wegen ihrer Disziplin und herausragenden Fähigkeiten im gesamten Terranischen Sternenstaat gefürchtet.

Im Ausbildungskonzept der Psi-Akademien stehen Disziplin und Loyalität nicht gegenüber der Perfektionierung der Psi-Kräfte der jungen Psioniker zurück. Die fähigsten, erfahrensten und loyalsten Psioniker der Konzerne und der staatlichen Psi-Corps werden Ausbilder in den Akademien. Sie sorgen für einen reibungslosen und erfolgreichen Ablauf der Unterweisungen. Die Hierarchie ist militärisch organisiert, und auch viele Ausbildungsmethoden erinnern an den Drill einer Elite-Einheit. Man arbeitet nicht unbedingt dagegen an, dass die Psioniker sich am Ende als eine bessere Form von Menschen verstehen. Allerdings wird ihnen kaum ein Zweifel daran gelassen, dass sie der Menschheit zu dienen haben. Zumindest gilt dies an zweiter Stelle. Zu allererst dienen die Mitglieder des Psi-Corps dem Mutterkonzern, oder den staatlichen Institutionen, denen sie verpflichtet sind. Die Ausbildung lässt letzten Endes kaum noch Platz für eine eigene Identität.

Die Psi-Corps

Nach erfolgreicher Absolvierung der Ausbildung an einer der Akademien beginnt für den Psioniker der Dienst in einem Psi-Corps. Wie auch schon an der Akademie wird großer Wert auf Disziplin und Loyalität gelegt. Als gängige Organisationsform der Psi-Corps dient eine Hierarchie nach militärischem Vorbild. An den spezifischen Uniformen, die je nach Konzern oder staatlicher Institution variieren, sind Psioniker für sachkundige Menschen leicht erkennbar. Die deutliche Kennzeichnung hat zusammen mit der rigorosen Durchsetzung der Dienstvorschriften innerhalb der Psi-Corps sogar zu einer gewissen Akzeptanz dieser Psioniker innerhalb der Gesellschaft geführt. Trotzdem kann nie ganz vermieden werden, dass dem gewöhnlichen Bürger ein Schauer über den Rücken läuft, wenn er einmal einem Mitglied eines Psi-Corps auf der Straße begegnet.

Auch wenn die straff organisierten Corps-Psioniker der Regelfall für die Verwendung von Psionikern sind, machen die Konzerne und auch die staatlichen Behörden regen Gebrauch von verdeckt arbeitenden Psionikern. Diese sind äußerlich nicht als Psioniker zu erkennen, unterliegen aber den gleichen Bestimmungen und der gleichen Hierarchie wie die offiziellen Corps-Psioniker. Davon abgesehen unterliegen nur die Psioniker im Dienst kleinerer Konzerne einer weniger strengen Organisation. Deren Management sieht meist auch davon ab, die konzerneigenen Psioniker durch Uniformen oder andere deutliche Kennzeichen gegenüber der Öffentlichkeit kenntlich zu machen. Zu groß wäre die Gefahr, dass ein wertvoller Mitarbeiter dadurch Opfer einer gezielten „Abwerbungsaktion” durch die Konkurrenz werden könnte.

Freie Psioniker

Die staatlichen Vorschriften und das übliche Rekrutierungsverfahren machen es einer Psionikerin nicht leicht, sich dem Netz der Konzerne und der Institutionen des Staats zu entziehen. Meist ist sie schon in früher Kindheit auf tatkräftige Unterstützung bei der Geheimhaltung ihrer Fähigkeiten angewiesen. Andererseits werden viele Psioniker inzwischen auf abgelegenenen Rim-Welten geboren. Sie fallen dann nicht selten einfach aufgrund der allgemeinen Abwesenheit der staatlichen Institutionen und des Rekrutierungspersonals der Konzerne durch die Maschen des etablierten Systems. Im Core ist dagegen massiver Einsatz seitens der Eltern und deren Vertrauten nötig, um ein Kind am Dienst in einem Psi-Corps vorbeizuschmuggeln. Es bleibt meist nur die Möglichkeit, es zu Verwandten oder Freunden in den Rim zu geben, oder rechtzeitig einen guten Deal mit einem kleineren Unternehmen zu machen.

Die Ausbildung freier Psioniker steht natürlich im erheblichen Gegensatz zu der Ausbildung an einer der Psi-Akademien. Sie hängt in hohem Maße vom Umfeld des jungen Psionikers und dessen Kontakten und Beziehungen ab. Manchmal findet auch gar keine Unterweisung statt, und die Psionikerin muss ihre Fähigkeiten mühsam durch Ausprobieren und diszipliniertes Selbststudium ausbauen. Eher selten hat sie das Glück, dass sie einen ebenfalls freien Psioniker mit größerer Erfahrung als Lehrmeister gewinnen kann. In jedem Fall muss sie lernen, ihre Fähigkeiten gegenüber dem Rest der Gesellschaft zu verbergen, denn auch in fortgeschrittenem Alter sind freie Psioniker nicht vor der Rekrutierung sicher.

Psioniker-Gesellschaften

Auch viele freie Psioniker sind nicht generell abgeneigt, sich zu organisieren. Dies verbessert die Chancen auf eine angemessene Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und bietet Schutz gegen unerwünschte Zusammenarbeit mit einem Konzern. Darüberhinaus sind Psioniker in der Gesellschaft immer dem Argwohn der normalen, das heißt nicht psionisch begabten, Bevölkerung ausgesetzt. Eine Mitgliedschaft in einem Zusammenschluss von Psionikern bietet die Gelegenheit, sich mit Menschen auszutauschen, die das eigene Schicksal teilen. Sie haben Verständnis für die gemeinsamen Sorgen und Nöte und zucken nicht instinktiv zusammen, wenn sie erfahren, dass eine bestimmte Person über psionische Kräfte verfügt. Nicht zuletzt bieten diese Psioniker-Gesellschaften auch eine Plattform zum Austausch von Meinungen und eine Möglichkeit gemeinsame Ziele durch koordiniertes Vorgehen zu erreichen.

Es gibt Psioniker-Gesellschaften in allen Ausprägungen und mit sehr verschiedenen Zielsetzungen. Sie unterscheiden sich auch erheblich in ihren Strategien und akzeptierten Methoden. Einige sehen sich als geheime Vorboten einer neuen Generation besserer Menschen, andere betrachten sich als von höheren Wesen gesandte Helfer zur Erlösung der nicht psionisch begabten Bevölkerung, wieder andere versuchen nur, ein ungestörtes Leben innerhalb des Terranischen Sternenstaats zu führen. Aufgrund der üblichen Rekrutierungsverfahren müssen kleinere Gesellschaften freier Psioniker ihre Existenz geheimhalten. Größere Gesellschaften verfügen über entsprechende Kontakte und Ressourcen, die es ihnen erlauben, an die Öffentlichkeit zu treten oder sogar eine aktive Rolle in der Tagespolitik auszufüllen. Manche Psioniker-Gesellschaften bieten sogar konzernübergreifend auch Mitgliedern der Psi-Corps eine zusätzliche Basis zur Umsetzung eigener Ziele. Ob dies beim Management gern gesehen ist, hängt sehr von den Kontakten und erklärten Zielen der jeweiligen Vereinigung ab.

Der Codex Psionica

Der Codex Psionica ist das grundlegende Gesetz, das im Terranischen Sternenstaat die Rechte und Pflichten der Psioniker regelt. Es existiert neben der Verfassung und gilt nur für psionisch begabte Menschen. Andererseits hat es selbst Verfassungrang, das heißt, auch die größten Konzerne unterliegen - zumindest noch - seinen Bestimmungen.

  • (§1) Psioniker haben eine Verantwortung für sich selbst und die Menschheit. Sie müssen sich dieser Verantwortung bei jeder Anwendung ihrer Kräfte bewusst sein.
  • (§2) Psioniker dürfen ihre Kräfte nicht verwenden, um anderen Personen unmittelbaren Schaden zuzufügen.
  • (§3) Psioniker dürfen ihre Kräfte nicht verwenden, um einen Menschen zu veranlassen, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen.
  • (§4) Psioniker dürfen ihre Kräfte nicht verwenden, um Menschen latente, indirekte oder verzögerte Schäden zuzufügen.
  • (§5) Psioniker dürfen ohne Einverständnis einer Person nicht deren Gedanken lesen oder manipulieren oder deren freien Willen beeinträchtigen.
  • (§6) Psioniker dürfen ihre Kräfte nicht benutzen, um sich das geistige oder materielle Eigentum anderer Personen widerrechtlich anzueignen oder zu beschädigen.
  • (§7) Psioniker dürfen ihre Kräfte nicht benutzen, um Personen zu Handlungen zu zwingen, die diese Personen nicht freiwillig ausführen wollen.
  • (§8) Psioniker müssen den Codex Psionica beachten, soweit kein anders Gesetz ihnen erlaubt, dagegen zu verstoßen.

Aus verschiedenen Gründen ist die Bedeutung des Codex Psionica, abgesehen von seiner symbolischen Wirkung, in der Praxis eher gering. Zum Einen erlaubt der §8 es Konzernen mit eigener Gesetzgebungsbefugnis und oft sogar Planetenräten, die rechtliche Stellung der Psioniker massiv nach eigenen Wünschen zu beeinflussen. Insbesondere haben die Psioniker eines konzerneigenen Psi-Corps auf dem Hoheitsgebiets des Mutterkonzerns nicht selten weitergehende Rechte, als sie vom Codex Psionica vorgesehen sind. Zum Anderen zwingt die reale Situation viele freie Psioniker ohnehin in gesellschaftliche Randgruppen, die es mit den Gesetzen nicht all zu genau nehmen. Allenfalls die Gefahr der Entdeckung und ein persönlicher moralischer Maßstab motivieren sie dann noch zu einem Verhalten, das den gesellschaftlich vorgesehenen Regeln entspricht.

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