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Raumpiraten

Es gibt kaum eine andere organisierte Gruppierung innerhalb der Gesellschaft des Terranischen Sternenstaats, die die Bevölkerung ähnlich stark polarisiert wie die Raumpiraten. Für die Autoritäten des Staats und der Konzerne sind die Raumpiraten Kriminelle und Terroristen, ein Sicherheitsproblem, das rücksichtslos ausgemerzt werden muss. Für die Menschen im Outer Rim, verlassen von den Annehmlichkeiten der Zivilisation, sind die Piraten Beschützer, Versorger und Geschäftspartner zugleich. Und die Raumpiraten selber sehen sich überwiegend als Geschäftsleute und Kämpfer gegen das Chaos an den äußeren Grenzen des Rims. Viele empfinden auch ein tiefgehendes Gefühl der Verantwortung für die von den Konzernen im Stich gelassene Bevölkerung. Nicht wenige Menschen im Core haben eine romantisch verklärte Vorstellung vom abenteuerlichen Leben der Raumpiraten. Zwar mag dies auf die erfolgreichsten Piratenclans und deren Anführer tatsächlich zutreffen, für die meisten ist jedoch das Dasein als Raumpirat eher eine Notwendigkeit und brutale Realität. Raumpiraten leben in ständiger Gefahr, im andauernden Kampf mit den Autoritäten. Sie können aber auch außerordentliche Früchte ihrer Tätigkeit genießen.

Ursprung

Unabhängig von ihrer Rolle in der modernen Gesellschaft, die zumindest aus Sicht der Rimmer eher der einer politischen und wirtschaftlichen Organisation gleichkommt, sind die Raumpiraten kaum bestreitbar aus Kriminellen hervorgegangen. Als um 2150 die interstellare Raumfahrt auch für kleinere Unternehmen und sogar für gut betuchte Privatleute erschwinglich wurde, begannen auch skrupellosere Subjekte ihre Möglichkeiten in den Tiefen des freien Weltalls zu erkunden. Zunächst war die interstellare Raumfahrt noch stark durch den CSE reglementiert und beaufsichtigt. Doch bald begannen die ersten Kolonien auf den Sternensystemen rund um Sol zu sprießen. Dies war die Stunde der freien Händler, die mit den nun verfügbaren, günstigen Raumfrachtern einen regelmäßigen Güter- und Personenverkehr zwischen den noch jungen Kolonien einrichten konnten. Zusätzlich begannen die größeren Konzerne damit, die Grenzen der jeweiligen für sich beanspruchten Raumgebiete in alle Richtungen auszudehnen. Der CSE verlor an Einfluss, und während die Konzerne nur zögerlich damit begannen, eigene Sicherheitsflotten aufzubauen, sahen Mitglieder zwielichtiger Milieus ihre Chance gekommen.

So begann mit den größeren und kleineren Konzernen unvermeidlich auch das organisierte Verbrechen ins Weltall zu expandieren. Historiker im Terranischen Sternenstaat vermuten, dass deren interstellare Aktivitäten letzten Endes ebenso alt sind wie die der Konzerne. Schon zu Zeiten der frühen Kolonien, also in den 2160er und 2170er Jahren, gab es Berichte über bewaffnete Übergriffe auf Transporte zwischen den Außenposten. Allerdings konnten diese ersten Raumpiraten noch nicht in dem Maße Fuß fassen, wie man es aus dem Terranischen Sternenstaat des Jahres 2246 kennt. Erstens war die Raumwaffentechnologie noch nicht so frei verfügbar wie in der jüngeren Zeit, zweitens war das besiedelte Raumgebiet noch übersichtlich genug um die Ordnung dort aufrecht erhalten zu können. Konzerne und Regierung konnten somit eine ausreichende Kontrolle über die Kolonien ausüben. Allenfalls auf ansonsten unbesiedelten Welten des heutigen Core konnten die ersten Raumpiraten kleinere Basen errichten. Dies geschah allerdings abseits der Zivilisation und hatte mit Blick auf die Lebensdauer der so erschaffenen Piraten-Außenposten eher vorübergehenden Charakter.

Kleine Fische

Die großen Organisationen der frühen Raumpiraten hatten mafiaähnliche Strukturen und eine beträchtliche Infrastruktur. Dennoch operierten sie eher als Schmarotzer der Zivilisation, weniger als alternative Autorität. Sie zogen ihre Fäden im Hintergrund und nahmen Einfluss auf die Politik und die Führungen der Konzerne. Ab und zu kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen von kriegsähnlichen Ausmaßen, aber alles in allem füllten die Raumpiraten als Arm des organisierten Verbrechens nur eine Lücke im System aus. Die wahren Wurzeln der Raumpiraten des Outer Rim liegen in den späteren Jahren der Kolonisierungswelle, als massenhaft Raumschiffe vom Stapel gelassen wurden, um die zahlreichen Außenposten der Menschheit miteinander zu verbinden. In dieser Zeit wurde das klassische Überlicht-Shuttle als willkommene Basis kleinerer Unternehmungen im interstellaren Raum beliebt. Es dauerte nicht lange, bis diese kleinen und praktischen Raumschiffe auch bei Privatpersonen größere Verbreitung fanden. Am Rande der von den Konzernen dominierten Weltraumwirtschaft formierten sich wagemutige Unternehmungen. Nicht alle dieser Unternehmungen waren im Sinne der Gesetze, einige sogar offen kriminell. Die Konzerne begannen sich stärker zu bewaffnen, und mit der steigenden Produktion sickerten erschwingliche Waffensysteme auch in andere gesellschaftliche Schichten, darunter nicht zuletzt die der Raumpiraten.

Die ersten Piratenflotten

Die offiziell anerkannten Autoritäten verloren nach und nach die Kontrolle über die Ordnung im freien Weltraum. Kleine Flotten bewaffneter Schiffe unter der Führung gefürchteter und erbarmungsloser Haudegen bildeten sich und versetzten die äußeren Kolonien in Angst und Schrecken. Der Umstand, dass nach 2170 die Grenzen des Terranischen Sternenstaats in rasantem Tempo vorangetrieben wurden, kam den Aktivitäten dieser Raumpiraten der ersten Stunde sehr gelegen. Jede Woche wurden dem Sternenstaat von den expandierenden Konzernen und den Institutionen der Regierung neue besiedelte Welten hinzugefügt. Teils handelte es sich nur um einzelne Planeten in komplexen Sonnensystemen, jedes ein Reichtum an Himmelskörpern, die die Basis für neue Operationen bieten konnten. Die Konzerne installierten meist nur Bergbaugerät und einige Koloniemodule zur Erstversorgung. Dann überließen sie die wenigen tausend Einwohner sich selbst. Schon damals waren die Raumpiraten auf den äußersten Kolonien nicht immer unwillkommen. Sie etablierten ihre Basen auf den Welten am Rande der Zivilisation und schufen unwillkürlich eine gewisse Stabilität. Im Gegenzug genossen sie Deckung aus der Bevölkerung und eine breite Rekrutierungsbasis für eigene Operationen. In vielen Kolonien erfüllten sie nach und nach die Rolle einer Bürgermiliz.

Doch nicht immer war die Anwesenheit der Raumpiraten gut für die Menschen. Es überwiegten bei weitem die Gestalten, die nur ihr eigenes Wohl im Sinn hatten und auch offenen Krieg mit den Konzernen oder den Polizeibehörden riskierten. Nicht selten wurden die Einwohner einer Kolonie als Druckmittel missbraucht oder Opfer der Kampfhandlungen. Andererseits waren die Bürger auch nicht immer wehrlos. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung und der lokalen Wirtschaft war es kaum möglich, einen aktiven Piratenstützpunkt zu betreiben. Andererseits gab es um 2180 auch immer noch keine permanenten Piratenkolonien. Vielmehr zogen die nun etablierten Piratenclans mit der Expansion der äußeren Grenzen des Terranischen Sternenstaats. Die fähigsten Mitglieder ihrer Crews, die sie auf den jeweiligen Kolonien des Rims rekrutiert hatten, nahmen sie dabei mit. Dies führte zwar nicht zu merklichen Auswirkungen auf die Überlebensfähigkeit der Kolonien im Fahrwasser der Piraten, allerdings führte es sehr wohl zu einer Konzentration der verwegensten und erfolgreichsten Piratenclans im Outer Rim. Auf ihrem Weg konnten die Piraten sich auch erhebliche materielle Ressourcen aneignen. Die Flotten wuchsen an und konnten es an Umfang und Bewaffnung bald mit den kleineren Konzernen aufnehmen.

Demgegenüber hinkten die näher am Core zurückgebliebenen Raumpiraten sowohl in der Ausstattung als auch in ihren politischen Möglichkeiten hinterher. Sie mussten einen immer härteren Kampf ums Überleben führen und sahen sich mit erheblicher Gegenwehr seitens der Konzerne und der Regierung konfrontiert. So wurden die unabhängigen Raumpiraten der Kernzone nach und nach in das organisierte Verbrechen der Corewelten integriert. Von Romantik und Ehre ist dort 2246 nichts mehr zu spüren - die Piraten des Core müssen verdeckt operieren und ihren Schwerpunkt auf politsche Intrigen und Wirtschaftskriminalität im Untergrund legen. Sie unterscheiden sich kaum von anderen Armen der organisierten Kriminalität und haben meist auch ähnliche Geschäftsmethoden.

Piratenclans

Mit der Stärkung der eigenen Identität der Rimmer um 2200 wuchs auch die Identifikation der im Outer Rim operierenden Raumpiraten mit ihrer Berufung. Die ältesten Gruppen von Raumpiraten waren der Kolonisierungswelle von Anfang an gefolgt. Dort wo die Grenze des bewohnten Alls war, fand man immer auch die bekanntesten und gefürchtetsten unter den Raumpiraten. Sie hatten die Machenschaften der Konzerne, unbehelligt von jeglicher staatlicher Kontrolle, an vorderster Front miterlebt. Ihre Mitglieder rekrutierten sich überwiegend aus der Bevölkerung gerade jener Kolonien, denen die Mächtigen am Übelsten mitgespielt hatten. Durch ihre engen Beziehungen zu den Menschen hatten sie auch ein tiefes Verständnis für deren Sorgen und Nöte. Die überwiegend aus dem Core heraus operierenden Konzerne interessierten sich meist nur für die Ausbeutung der Ressourcen und die optimale wirtschaftliche Nutzung des Humankapitals. Die Raumpiraten dagegen sahen die Bewohner des Outer Rim als Ihresgleichen an, als ihr Volk, das sie beschützen und ernähren mussten. Während die Flotten der bekanntesten Raumpiraten in Umfang und militärischer Schlagkraft wuchsen, änderten sich auch deren Organisationsstrukturen. Die größten Piratenflotten erforderten für ihren Unterhalt erheblichen logistischen Aufwand und feste Verwaltungsstrukturen. Ihre Anführer begannen damit, ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss in den Kolonien des Outer Rim auf konventionelle Art auszubauen. Die Mitglieder der jeweiligen Flotten entwickelten ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, ein Gefühl von Stolz auf das, was sie erreicht hatten, und Ehre basierend auf ihrem Verhalten gegenüber der Bevölkerung. Markante Namen wie „Darkhaven Raiders” oder „Yeddick's Sabers” unterstrichen den Ruf der erfolgreichsten Piratenclans und wurden bis tief in den Core hinein geflügelte Worte.

Die modernen Raumpiraten des Outer Rim pflegen enge Beziehungen zu den lokalen Regierungsinstitutionen, insbesondere den Planetenräten und den Gouverneuren. Sie haben meist auch weitreichende Kontakte zu den lokal ansässigen Unternehmen. Das Verhältnis zwischen Raumpiraten und lokaler Politik und Wirtschaft ist überwiegend von gegenseitigen Vorteilen geprägt und hat geschäftlichen Charakter. So sind regelrechte Piratenkolonien entstanden, die für die Piraten als sichere Heimatbasis dienen und die für den Erhalt der Flotten nötige Infrastruktur bereitstellen. Im Gegenzug bürgen die Piratenflotten für die Sicherheit der Kolonien und schützen lokale Unternehmen gegen feindlich gesinnte Einflüsse von außen, allen voran vor den Interessen der Megakonzerne. Es versteht sich, dass sich die Raumpiraten damit einem erheblichen Risiko aussetzen. Auch werden sie insbesondere von größeren Konzernen, aber auch von kleineren Unternehmen ohne entsprechende absichernde Geschäfte, als Bedrohung empfunden. Aus Sicht der staatlichen Autorität besteht ohnehin kein Zweifel daran, dass es sich bei allen Raumpiraten um Kriminelle und eine Gefahr für das System handelt. Tatsächlich akzeptieren die Raumpiraten in der Regel nicht die gesetzliche Ordnung des Terranischen Sternenstaats, geschweige denn die der Megakonzerne. Sie bevorzugen ihre eigenen Methoden, um abseits der Zivilisation für verlässliche Machtstrukturen zu sorgen. Diese Strukturen wiederum sind aus der Tradition und der Lebenswirklichkeit der Menschen des Outer Rim gewachsen. Sie haben ein festes Fundament in der Identität der Rimmer. Vermutlich sind sie sogar einer der wenigen Gründe, die ein Absinken der Rimbevölkerung in Chaos und Hoffnungslosigkeit verhindern.

Organisation

Piratenclans sind streng hierarchisch organisiert, mit nur wenigen Institutionen, die außerhalb der Ordnung stehen. Diese haben aber immer noch einen erheblichen Einfluss auf bestimmte Ebenen der Hierarchie. An der Spitze jedes Piratenclans steht ein Anführer, der meistens den schlichten Titel „Lord” oder „Lady”, je nach Geschlecht, inne hält. Sie ist oberste Kommandantin der Flotte und in allen inneren und äußeren Angelegenheiten des Clans oberste Entscheidungsinstanz. Der Anführer wird bei Bedarf aus der Versammlung der Kapitäne gewählt, in der Regel in offener Abstimmung, aber bei Streitigkeiten durchaus auch geheim. Duelle um die Position sind selten, aber nicht ohne Beispiel. Intrigen und Verschwörungen bei Neubesetzung eines Postens werden generell als unehrenhaft angesehen und drakonisch bestraft, wenn sie ans Licht kommen. Trotzdem sind auch solche Vorkommnisse nie ganz auszuschließen. Üblicherweise erhält der jeweils erfahrenste Kapitän bei einer Vakanz den Posten des Anführers und behält diesen bis ins hohe Alter. Dann wird erwartet, dass sie freiwillig zurücktreten und den Platz für jüngere und flexiblere Mitglieder aus der Reihe der Kapitäne freimachen. Die Position des Lords oder der Lady eines Piratenclans ist allerdings auch ein Schreibtischjob. Daher ist sie bei jüngeren Kapitänen, die sich noch nicht in der Schlacht bewährt haben, auch weit weniger beliebt, als etwa das Kommando über eines der größeren Schiffe der Flotte.

Zwei Organe stehen der Lady des Piratenclans beratend zur Seite. Dies ist zum Einen die Versammlung der Kapitäne. Sie besteht aus allen Befehlshabern der größeren Schiffe des Clans, also aus den eigentlichen Kapitänen. Die Kommandanten kleinerer Schiffe werden formal als Kapitänleutnante bezeichnet, sie haben in der Versammlung der Kapitäne nur selten ein Mitspracherecht. Sie können aber bei besonders wichtigen Anlässen wie der Neuwahl des Anführers oder der Kriegserklärung an einen größeren Konzern in beratender Funktion hinzugezogen werden. Stimmberechtigt sind sie allenfalls bei kleineren Piratenclans. Der Rat der Kapitäne steht unter dem Vorsitz des Lords und tritt regelmäßig zusammen, etwa einmal im Monat. Bei besonders wichtigen Anlässen kann er jederzeit einberufen werden. Auch virtuelle Sitzungen des Rats werden gerne genutzt, wenn der Grund der Versammlung keine persönliche Anwesenheit rechtfertigt. Der Rat der Kapitäne erfüllt bei größeren Clans auch Funktionen der Gerichtsbarkeit gegenüber der Lady. Eine Absetzung des Anführers durch Beschluss der Versammlung der Kapitäne wird zwar üblicherweise als annähernde Meuterei verstanden, die Möglichkeit besteht aber prinzipiell. Insbesondere käme es dazu, wenn der Lord sich nachweislich des Hochverrats gegenüber dem Clan schuldig gemacht hätte. In der öffentlich bekannten Geschichte der Raumpiraten des Outer Rim scheint dies aber eher ein theoretischer Vorfall zu sein.

Das zweite beratende Organ ist in einem typischen Piratenclan der Rat der Ältesten. Er setzt sich aus ehemaligen Ladies und Lords und den distinguierten Kapitänen zusammen, die ihr Raumpiratendasein lange genug überlebt haben um ein hohes Alter zu erreichen. Die Räte der Ältesten der größeren Piratenclans umfassen nicht selten auch Methusalems, die die Anfänge der interstellaren Raumfahrt und die Expansion in den Rim aktiv miterlebt und als Kolonisten der ersten Stunde mitgestaltet haben. Sie genießen auch über Clangrenzen hinweg einen Status höchster Verehrung, und obwohl sie sich selten direkt in die Geschäfte der Clans einmischen, kann ihr Wort leicht höheres Gewicht haben, als das eines amtierenden Anführers. Bei schwierigen juristischen Entscheidungen wird ebenfalls oft der Rat der Ältesten hinzugezogen, auch wenn letzten Endes die Lady als oberster Richter fungiert.

Die übrige Hierarchie der Piratenclans ist überwiegend durch die Kommandostrukturen an Bord der Schiffe der Flotte bestimmt. Jeder Raumpirat hat prinzipiell die Möglichkeit, sich dort vom Schiffsjungen zum Kapitän oder gar zum Lord des Clans hochzudienen. Die Organisation kann aber auch Elemente umfassen, die sich aus politischer oder wirtschaftlicher Notwendigkeit ergeben. So kann es wichtige Verbindungspersonen zur lokalen Regierung oder einen Rat von Vertretern der im Piratengebiet ansässigen Unternehmen geben. Diese zusätzlichen Strukturen im Machtgefüge haben höchst unterschiedlichen Einfluss auf die jeweiligen Piratenclans und lassen sich nur im Einzelfall genauer beschreiben.

Arbeitsweise

Jeder Piratenclan beansprucht zwischen einem und einigen hundert Sternensystemen als eigenes Territorium. Der tatsächliche Einfluss eines Clans ist dabei eher durch seine Kontakte zu lokalen Regierungen und Unternehmen und durch die Größe und militärische Macht seiner Flotte bestimmt, als durch die Anzahl der Systeme, die offiziell zu seinem Machtgebiet gehören. Größere Clans können Flotten haben, die es mit denen großer Konzerne in offener Auseinandersetzung aufnehmen können. Die meisten Clans verfügen allerdings nur über kleinere Schiffe, die sich rund um ein besonders wertvolles Flaggschiff gruppieren. Üblicherweise versuchen die Piraten des Outer Rim, dem offenen Krieg mit ansässigen Unternehmen und den Megakonzernen im eigenen Interesse und im Interesse der Bevölkerung ihrer Kolonien aus dem Weg zu gehen. Innerhalb ihres Territoriums beziehen die Raumpiraten alle nötigen Materialien und Dienstleistungen zur Instandhaltung und Aufrüstung ihrer Flotten und zum Unterhalt ihrer Mitglieder von ansässigen, meist kleineren Unternehmen und unabhängigen Händlern. Diesen Geschäftspartnern wird darüberhinaus unbehelligter Betrieb in den von dem Piratenclan kontrollierten Sektoren zugesichert. Nicht selten wird auch die Versorgung der Kolonien im Piratengebiet mit Lebensmitteln und Luxusgütern vertraglich geregelt. Im Gegenzug für den stabilen Absatzmarkt bieten die Unternehmen den Piraten besonders günstige Konditionen. Gegenüber den Planetenräten erfüllen die Piratenclans Sicherheitsdienstleistungen in den Kolonien und dem umgebenden interstellaren Weltraum. Aufgrund ihrers hohen Ansehens bei der wahlberechtigten Bevölkerung im Outer Rim ist die Unterstützung eines Piratenclans tatsächlich bei umsichtig agierenden Gouverneuren im Outer Rim gefragter als die Leistungen eines Sicherheitsunternehmens. Auf den dedizierten Konzernwelten haben die Raumpiraten aber nur selten eine ernsthafte Chance Fuß zu fassen. Sie beschränken sich in ihrer Aktivität daher üblicherweise auf die weniger dicht besiedelten Rimwelten.

Der strenge und typische Ehrenkodex sowie die fehlende Anerkennung der staatlichen oder der von den Megakonzernen ausgehenden Autorität unterscheiden die Raumpiraten wesentlich von normalen Geschäftsleuten. Wer das Piratenterritorium durchfliegt und weder vertraglich abgesichert ist, noch sich gut genug mit eigenen Mitteln oder fremder Hilfe verteidigen kann, läuft Gefahr, von einem Schiff der Piratenflotte geentert und seiner Ladung beraubt zu werden. Entführungen, Geiselnahmen, Menschenhandel, Massaker an Zivilisten und andere Greueltaten werden von allen Raumpiratenclans mit einem gewissen Ruf strikt abgelehnt und innerhalb der Gesellschaft der Raumpiraten auch rigoros geahndet. Verschiedene Piratenclans stehen sich in der Regel neutral gegenüber und respektieren die Grenzen ihrer jeweiligen Raumgebiete. Es gibt aber darüberhinaus neutrale Sektoren, in denen verschiedene Piratenclans gleichzeitig aktiv sein können. In der Regel handelt es sich dabei um Bereiche des interstellaren Weltraums, die von großen Konzernen oder der Regierung des Terranischen Sternenstaats kontrolliert werden. Überfälle auf Kolonien sind allgemein eher die Ausnahme, können aber in Kriegszeiten vorkommen. Der Ehrenkodex der Raumpiraten verlangt dabei die Schonung der Zivilbevölkerung. Brandschatzen, Plündern, Morde und Vergewaltigungen sind verboten. Eher versuchen die Raumpiraten, die lokalen Autoritäten zu unterwandern oder gar zu stürzen, um so ihren eigenen Einfluss auszudehnen. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen angesehenen Piratenclans sind selten. Streitigkeiten werden üblicherweise durch Verhandlungen zwischen den jeweiligen Ladies und Lords beigelegt. In festgefahrenen Situationen können Meinungsverschiedenheiten fast immer durch eine gemeinsame Tagung der Räte der Ältesten der Konfliktparteien aufgelöst oder zumindest durch einen akzeptablen Kompromiss neutralisiert werden.

Widersacher

Weder die Regierung des Terranischen Sternenstaats, noch die größeren Konzerne sind mit den Aktivitäten der Piraten einverstanden, so sehr das die Bevölkerung des Outer Rim auch anders sehen mag. Alle Konzernsicherheitsdienste und die der Regierung unterstehenden Polizeibehörden führen einen ständigen Kampf gegen die Raumpiraten. Eine Koexistenz ist für beide Parteien so gut wie ausgeschlossen. Der Kampf wird zwar seit einigen Jahren überwiegend auf politischer Ebene geführt, indem Einfluss auf Planetenräte und Gouverneure ausgeübt wird. Von Zeit zu Zeit schlägt die Auseinandersetzung aber auch in offene Kampfhandlungen um. Raumpiraten lassen sich üblicherweise nicht in direkte Auseinandersetzungen mit Konzernflotten oder der TSSF verwickeln. Erstens sind sie trotz massiver Aufrüstung in jüngerer Zeit den größten Flotten im Terranischen Sternenstaat militärisch immer noch bei Weitem unterlegen. Zweitens gibt es mehr als genug Möglichkeiten, auch eine große Piratenflotte in den zahlreichen unbewohnten Systemen des Zivilisationsraums zu verstecken, oder sogar das Gebiet des Terranischen Sternenstaats vollständig zu verlassen um einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Meist handelt es sich daher bei Kampfhandlungen zwischen Raumpiraten und den Autoritäten um gezielte Aktionen von hoher strategischer und symbolischer Bedeutung, wie etwa die Übernahme einer seit langem unter der Kontrolle des Gegners stehenden Kolonie, oder eine militärische Operation zur Unterstützung des Wahlkampfs einer treuen Gouverneurin.

Kopfgeldjäger

Nicht nur die offiziellen Autoritäten sind in den Krieg mit den Raumpiraten verwickelt. Es gibt eine mäßig, aber stetig wachsende Zahl verwegener Individuen, die ihre Berufung in der Verteidigung der bestehenden Machtstrukturen sehen. Die Jagd auf Piraten kann im Erfolgsfall sehr lukrativ sein, was diesen Menschen eine zusätzliche Motivation verleiht. Zwar bietet sich den Kopfgeldjägern auch ohne die Anwesenheit von Raumpiraten im Terranischen Sternenstaat ein breites Betätigungsfeld. Andererseits sorgen die Piraten mit ihrer tiefen Verwurzelung in der Kultur des Outer Rim und ihrem politischen Einfluss auf die dortigen Autoritäten für einen besonders beständigen, zuverlässigen und somit lukrativen Markt. Es ist wenig überraschend, dass es somit auch die Kopfgeldjäger in den Rim hinaus zieht. Die mangelnde Präsenz staatlicher und konzerneigener Sicherheitskräfte wirkt einladend auf jene, die selbst Ordnung schaffen wollen. Um Kopfgeldjäger zu werden, reichen eine saubere ID und eine Lizenz der zuständigen lokalen Behörden aus. Andererseits haben schon viele angehende Ordnungshüter ihren Eifer teuer bezahlt. Im Gegensatz zu dem, was die Konzerne und die Regierung den Leuten im Core glaubhaft machen wollen, handelt es sich bei den Raumpiraten nämlich nicht um einen schlecht organisierten Haufen von Anarchisten. Vielmehr sind sie ein integraler Bestandteil der Gesellschaft des Outer Rim.

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