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Raumstationen

Schon lange bevor die Menschen andere Planeten besiedelt haben, wurden im Orbit rund um die Erde Raumstationen installiert. Die wohl größte davon diente als Zwischenstation für die langen Reisen zu den anderen Planeten des Sonnensystems. Als dann der Überlichtantrieb erfunden war, dauerte es nicht lange, bis man auch in anderen Sternensystemen Forschungsstationen einrichtete. Eine neuere Erscheinung sind Stützpunkte im tiefen interstellaren Raum. Die meisten davon sind Relaisstationen für die überlichtschnelle Kommunikation. Aber gerade in den Jahren nach dem Kolonisierungsboom kamen viele größere Habitate dazu, die entweder Außenposten im All von strategischer Bedeutung sind, oder Anlaufpunkte für Schiffe mit geringerer Reichweite.

Warum Raumstationen?

Im 23. Jahrhundert hat die Menschheit das Problem der Besiedelung halbwegs lebensfreundlicher Welten gelöst. Trotzdem werden immer noch regelmäßig neue und teilweise riesige Raumstationen in Betrieb genommen. Das liegt daran, dass der Betrieb einer Raumstation bestimmte Vorteile hat. Erstens ist die Technologie sozusagen allgegenwärtig, zuverlässig und vor allem kostengünstig. Um auf einem Planeten zu siedeln sind meistens aufwändigere Strukturen nötig. Hinzu kommt, dass die größeren Raumschiffe oft nicht dafür ausgelegt sind, auf Planeten zu landen - und schwere Fracht kann natürlich im schwerelosen Raum viel einfacher umgeladen werden.

Zweitens gibt es praktisch keine Auflagen für den Betrieb einer eigenen Raumstation irgendwo im All. Das führt dazu, dass Menschen mit allen möglichen Absichten ihre eigenen Stationen in Betrieb nehmen. Die einen wollen einfach nur ihre Ruhe vor der Zivilisation, andere wollen ungestört ihren Geschäften (oder kriminellen Aktivitäten) nachgehen. Im Weltall stört es praktisch niemanden, was auf einer Raumstation tief im Nichts zwischen den Systemen vor sich geht. Auf einer Raumstation lebt es sich zwar nicht ganz so komfortabel wie auf einer erdähnlichen Welt, aber letztere sind auch im Terranischen Sternenstaat nicht im Überfluss vorhanden und wenn im Rim mal wieder eine neue gefunden wird, dauert es nicht lange, bis eine der mächtigeren Fraktionen sie sich unter den Nagel reißt.

Relaisstationen

Die meisten Raumstationen im interstellaren Raum und zumindest eine in der Nähe jedes besiedelten Systems dienen als Relais für die interstellare Kommunikation. Das bedeutet, sie sind die Knotenpunkte, zwischen denen überlichtschnelle Signale weitergeleitet werden können. Wie dicht sie verteilt sein müssen, hängt von der Leistung der Transmitter ab. Die größten Relaisstationen können Daten über hunderte Parsec übermitteln, allerdings verbrauchen sie auch ungeheure Mengen an Energie und sind daher sehr teuer im Betrieb. Sie werden meist vom Militär oder den großen kommerziellen Anbietern betrieben. Kleinere Relaisstationen sind wichtige Brückenpunkte für die unabhängigen Netze. Manchmal sind sie zusätzlich auf Raumschiffe angewiesen, die sich als Knotenpunkte zur Verfügung stellen, um auch die entlegensten Raumgebiete mit Daten versorgen zu können. Dafür ist die Kommunikation über diese Stationen ein wenig sicherer.

Relaisstationen sind in der Regel unbemannt, aber es gibt durchaus einige, die zusätzlich als Forschungs- oder Versorgungsstationen konzipiert sind. Viele von diesen Raumstationen wurden irgendwann verlassen, nachdem sie ihren Zweck erfüllt hatten. Sie sind zwar gut gesichert, aber es lassen sich sicher so einige Wertsachen dort finden, wenn man über die Mittel verfügt, sich Zugang zu verschaffen. Manche wurden auch bereits geplündert und dienen nun Piraten und anderen zwielichtigen Gestalten als Unterschlupf. Die größten Relaisstationen sind oft auch Militärbasen oder Stützpunkte von Sicherheistdiensten. Man kann dort im Notfall einen Zwischenstopp einlegen, aber man darf sich dann nicht über bohrende Fragen der Stammbesatzung wundern. Und schließlich gibt es einige Relaisstationen, die tatsächlich auch Studios für die Medien enthalten und Neuigkeiten und Unterhaltungsprogramme von dort aus direkt ins interstellare Datennetz einspeisen.

Forschungsstationen

Diese Art von Raumstationen findet man überall im zivilisierten Raum und auch in den unerforschten Regionen des Outer Rim. Das macht Sinn, denn sie stellen ja gewissermaßen die Speerspitze der menschlichen Zivilisation dar. Forschungsstationen werden von der Forschungsflotte Compass des Terranischen Sternenstaats, zahlreichen Konzernen aber auch unabhängigen Organisationen betrieben. Sie sind manchmal nur mit Robotern besetzt, aber oft genug leben dort tatsächlich auch Forscher. Auf den größten Forschungsstationen des Outer Rim haben hochmoderne, große Forschungsschiffe ihre Heimathäfen und es wimmelt nur so von den intelligentesten Köpfen des Sternenstaats. Darüberhinaus gibt es auch eine Vielzahl kleinerer Forschungsstationen. Dort widmen sich entweder kleine Gruppen von Forschern einem bestimmten Forschungsgebiet, oder es werden geheime (und nicht selten auch fragwürdige) Experimente unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.

Manche Forschungsstationen wurden vor langer Zeit aufgegeben, andere sind einem düsteren Schicksal anheim gefallen, weil man dort auf etwas gestoßen ist, was nicht für neugierige Forscheraugen bestimmt war. In jedem Fall ist die Suche nach verlassenen Forschungsstationen ein riskantes, aber oft einträgliches Unterfangen. Aber auch der Besuch auf aktiven Forschungsstationen lohnt sich. Die Forscher werden zwar nicht immer ihre geheimsten Projekte preisgeben, aber es gibt immer wieder Aufgaben im Dienste der Wissenschaft, die den Denkern zu risikoreich erscheinen. Hier kann man also recht einfach an lukrative Aufträge gelangen - Verschwiegenheit vorausgesetzt.

Handelsstationen

Was wäre eine interstellare Zivilisation ohne Handelsaußenposten im tiefen All? Vermutlich nicht sehr erfolgreich. Daher findet man auch überall zwischen besiedelten Welten diese brummenden Knotenpunkte des Handels. Hier liefern rund um die Uhr Frachter ihre Waren ab, die dann zum Weitertransport auf größere Langstreckenschiffe oder umgekehrt zur Verteilung an die Endabnehmer auf kleine Frachtshuttles umgeladen werden. Man ist dort natürlich auf Besuch eingestellt und jeder, der nicht offen aggressiv ist und die (je nach Größe der Station leider erheblichen) Liegegebühren bezahlen kann, ist auch willkommen. Die meisten Besucher sind nur auf der Durchreise, aber Handelsstationen haben auch überproportional viele Habitatmodule, und wer will, kann dort (für einen Preis) beliebig lange wohnen, bevor er weiterzieht.

Gerade im Outer Rim besteht eine scharfe Konkurrenz zwischen den größten Handelstationen und den Kolonien in den Sternensystemen. Gehandelt wird alles, was nicht unverkäuflich ist, und selbst bei letzterem kann man immer über den Preis reden. Es kann diskutiert werden, wie groß der Anteil der legalen Geschäfte auf einer typischen Handelsstation ist, aber es gibt wohl keine noch so straff organisierte Station ohne einen Schwarzmarkt, auf der man die unmöglichsten Waren und Informationen zu Geld machen oder (für einen Preis) erwerben kann. Es versteht sich von selbst, dass Söldner und Abenteurer ein fester Bestandteil des Ökosystems einer jeden Handelsstation sind, die diesen Namen verdient.

Habitatstationen

Wie der Name schon vermuten lässt, werden diese Raumstationen vorwiegend von ihren menschlichen Bewohnern als Zuhause und Lebensraum benutzt. Es gibt sie in allen Größen und Formen, und während die größten fast immer auch Handelsknotenpunkte sind (was ja größere Ansammlungen von Menschen so mit sich bringen), dienen viele auch einfach nur dazu, ihren Bewohnern eine ungestörte Existenz zu ermöglichen. Man muss ein bisschen aufpassen, unter wessen Kontrolle eine Habitatstation steht, an der man mit seinem Schiff landen möchte. Einige werden nämlich von stark ideologischen Gruppen bewohnt, die aus gutem Grund nicht auf größeren, kulturell vielfältigeren Kolonien geduldet werden. Andere wollen unmissverständlich in Ruhe gelassen werden und reagieren auch nicht friedlich auf Kontaktversuche. Aber zum Glück sind die allermeisten zumindest neutral gegenüber Besuchern eingestellt, und bieten gegen Credits oder, wenn man sehr viel Glück hat, auch aus reiner Nächstenliebe, Unterkunft und Versorgungsleistungen für das Raumschiff an.

Militärstationen

Diese bis an die Zähne bewaffneten Festungen dienen dem Militär oder Sicherheitsdiensten als Operationsbasen im Weltraum. Zivilisten sind hier - von Notfällen abgesehen - meistens nicht erwünscht. Söldner dürfen in seltenenen Fällen andocken, wenn sie einen guten Grund haben oder auf der gleichen Seite in einem militärischen Konflikt stehen. In der Größe reichen Militärstationen von kleinen, vollständig automatisierten Kampfstationen bis hin zu riesigen Flottenstützpunkten, die sogar Dreadnaughts in ihrer Größe in den Schatten stellen und Unmengen an Treibstoff, Waffen, Soldaten und kampfbereiten Raumschiffen beinhalten (sie offen anzugreifen wäre reiner Wahnsinn).

In vielen größeren Militärstationen wird auch an hochmodernen Waffensystemen geforscht. Gerüchten zufolge sind auf einigen von ihnen sogar Superwaffen installiert, die still und heimlich auf die Stunde ihres Einsatzes warten - wobei die Menschheit nur hoffen kann, dass dieser Tag nie kommen wird. Im Outer Rim sind kleine Kampfstationen ein beliebtes Ziel von Plünderungen. Es ist zwar für die Regierung des Sternenstaats und die Konzerne nicht verständlich, wie man die Bemühungen zur Sicherung des zivilisierten (und in Zukunft zivilisieren) Weltraums derart untergraben kann, aber gerade Piraten, kleinere Organisationen und unabhängige Kriminelle lassen sich die Chance nicht entgehen, mit relativ gut abschätzbarem Risiko an Waffen militärischer Klassifikation heranzukommen. Man sollte aber unbedingt wissen, was man tut, wenn man nicht beim Versuch in einer atomaren Glutwolke enden möchte.

Private Stationen

Wer über die Mittel verfügt, kann sich ohne Weiteres seine ganz persönliche Raumstation irgendwo in den Tiefen des Alls einrichten. So vielfältig wie die Menschen schon immer gewesen sind, so vielfältig sind auch die Persönlichkeiten und Sachen, die man auf privaten Raumstationen finden kann. Manche werden von zurückgezogenen Raumfahrtveteranen bewohnt, mache von gelangweilten Superreichen, andere wurden von Plünderern in Beschlag genommen, die dort nun ein zügelloses Leben führen, wieder andere sind Operationsbasen geheimer Organisationen, Verstecke freier Psioniker oder gar Systemknoten von KIs. Das Aufsuchen solcher Stationen erfolgt stets auf eigene Gefahr und ohne jede Garantie!

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