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Acrux

Das System Acrux, Alpha Crucis, mit seiner gleichnamigen Kolonie ist nicht nur ein archetypischer Vertreter der Rim Hubs, sondern blickt auch auf eine bewegte Geschichte zurück, seit es im Jahr 2169 erstmals von Menschen kolonisiert wurde. Eigentlich handelt es sich bei Acrux nicht um einen einzelnen Stern, sondern um ein Dreifachsystem mit zwei weißen Riesensternen und einem kleineren weißen Zwerg. Für bewohnbare Planeten gibt es keine sonderlich stabilen Verhältnisse, um so verwunderlicher ist es, dass hier, etwa 100 Parsec von Sol entfernt, eine der größten Kolonien im zentralen Rim entstanden ist. Mit 65 Millionen Einwohnern ist die Acrux Kolonie 2246 eine geschäftige Metropole und ein wichtiger Knotenpunkt der Zivilisation zwischen Core und Rim. Heute liegt die Kolonie fest in der Hand des Konzerns Alpha Spaceflight. Es ist kaum noch etwas von den unsicheren Zeiten zu spüren, die die Kolonie und ihre Bewohner im 22. Jahrhundert durchlebt haben.

Die ersten Kolonien

Die drei Sterne liegen im Zentrum eines ausgedehnten Systems von felsigen Monden und Planeten, die das Massezentrum in großer Entfernung umkreisen. Da das System zunächst für die Kolonisierung nicht sonderlich interessant schien, wurde es bald zu einem Rückzugsort vesrchiedener Subjekte, die sich in den umliegenden Kolonien durch kriminelle Machenschaften oder all zu rücksichtslose Gecshäftspraktiken unbeliebt gemacht hatten. Um 2175, als die äußere Grenze des Rim Acrux bereits passiert hatte, war das System ein beliebter Stützpunkt für diverse Gruppierungen von Raumpiraten. Sie boten allerlei Menschen Unterschlupf, die auf der Flucht vor den Konzernen, dem Zugriff der Raumflotte, oder ganz einfach der Zivilisation waren. Der CSE wurde schließlich jedoch von den Regierungen der umliegenden Kolonien dazu gedrängt, eine Flotte zu schicken, um dort für Ordnung zu sorgen. So wurden die Raumpiraten in der ersten Schlacht von Acrux, 2180, aus dem System vertrieben. Viele der Bewohner auf den diversen besiedelten Felsbrocken waren nun gezwungen, sich eine legale Beschäftigung zu suchen. Viele zogen zum nun etablierten offiziellen Raumhafen von Acrux, an dem die gleichnamige Kolonie durch den CSE gegründet worden war.

Die Bewohner der Kolonie begannen, den Handel mit den umliegenden Kolonien aufzunehmen. Unterdessen schritt die Besiedelung des Rim rasant voran, und mit Unterstützung der Politik und des Militärs gewann Acrux als Handelsstützpunkt an Bedeutung. Scheinbar hatten die Raumpiraten das Interesse an der Kolonie verloren und waren weiter in den äußeren Rim gezogen. Die Flottenpräsenz wurde nach und nach reduziert und wandte sich wichtigeren Aufgaben im Outer Rim zu.

Kampf um Acrux

Es schien, als hätte nichts den neu gewonnenen Frieden und Wohlstand stören können - bis 2200, pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum des Sieges der TSSF in der Ersten Schlacht von Acrux, eine Piratenflotte unter der Führung von Lord Claud Yeddick I das System rücksichtslos von den verbliebenen Einheiten der Flotte säuberte und Acrux für befreit erklärte. Gleichzeitig übernahmen Sympathisanten der Piraten auf Acrux alle wichtigen Regierungsinstitutionen. Einige umliegende Kolonien - vormals Rückzugsorte der Piraten - erklärten ihre Loyalität. In verschiedenen stationierten Einheiten der TSSF kam es zu Meutereien, als deren Folge sich diese Verbände der Piratenflotte anschlossen. Die Piraten übernahmen außerdem mittels Hackern die Kontrolle über mehrere umgebende Relaisstationen, die die Kommunikation im Acrux-Sektor sicherstellen sollten, und erschwerten den Verteidigern somit erheblich deren Operationen.

Der CSE war natürlich nicht bereit, dies hinzunehmen, und entsandte wenige Tage nach der Machtübernahme der Piraten eine Flotte, um Acrux zurückzuerobern. In den folgenden Monaten kam es zu großen und blutigen Gefechten, in denen sowohl die Piraten als auch die TSSF schwere Verluste erlitten. Es wurde auch kaum Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen, und hunderttausende Unschuldige mussten bei orbitalen Bombardierungen durch beide Seiten ihr Leben lassen. Die Piraten konnten in dieser Zweiten Schlacht von Acrux auf erhebliche Ressourcen zurückgreifen, die die Regierung auf Terra in Erstaunen versetzten (Historiker rätseln bis heute, woher die gute Ausrüstung kam). Es gelang den Raumpiraten zwar nicht, die vollständige Kontrolle über Acrux zu behalten, aber sie fügten der TSSF einige empfindliche Niederlagen zu und gewannen die Kontrolle über mehrere umliegende Kolonien, von denen aus sie ständig unerwartete Angriffe auf Acrux und die dort stationierte Flotte starteten. Der Handel kam zum Erliegen, und viele Bewohner von Acrux ergriffen die Flucht.

Das System kam danach nie ganz zur Ruhe. Die Piraten bestanden auf ihrem Anspruch auf die Kolonie, plünderten weiter Frachter rund um Acrux und starteten Angriffe auf die Garnisonen der TSSF. Jene hatte inzwischen alle Hände voll zu tun, die Ordnung in den Gebieten weiter außerhalb aufrecht zu erhalten. Außerdem sehnte sich die Bevölkerung von Acrux nach stabileren Bedingungen. Der CSE jedoch lehnte jede Verhandlung mit den Piraten ab. Erst 2205 verbesserte sich die Situation, als ein neuer Magistrat gewählt wurde, der die speziellen Probleme des Rim besser verstand. Dieser Mann, Gard Sykes, trat in den Dialog mit den umliegenden Kolonien (also auch mit den Piraten) und schloss verschiedene „Handelsverträge”. Der CSE war zwar nicht begeistert, aber die Angriffe auf die Garnisonen wurden eingestellt und Sykes sicherte sich den Dank der Zivilbevölkerung. Für Händler war es rund um Acrux allerdings nicht unbedingt sicherer geworden.

In den folgenden Jahren wuchs die Acrux Kolonie langsam aber stetig. Zwar war die Sicherheit auf Acrux und den umliegenden Kolonien eher mit der am Outer Rim vergleichbar, dafür blühten aber diverse Geschäftszweige, die anderswo von der TSSF unterbunden wurden. Skrupellose Konzerne und Händler, Piraten und Abenteurer fühlten sich von diesem Hort der Freiheit inmitten des Rim magisch angezogen. Die TSSF hatte sich bis 2210 fast vollständig zurückgezogen. Für die Kontrolle des Raums war die Planetare Garde von Acrux zuständig, die dem Magistraten unterstand - ein Modell, das sich auch im Outer Rim etabliert hatte - und die drückte oft beide Augen zu. Im CSE gab es immer wieder heftige Diskussionen über den Status von Acrux. Niemand wollte allerdings der mittlerweile beträchtlich gewachsenen Bevölkerung einen weiteren Krieg zumuten.

Die Herrschaft von Alpha Spaceflight

Dies änderte sich erst, als die von Alpha Spaceflight kontrollierten Sektoren immer dichter an Acrux heranrückten. Der Konzern hatte sich das Ziel gesetzt, seinen Einfluss rund um das Dreifachsystem erheblich auszuweiten - zumal ja aus historischen Gründen die Präsenz des CSE und der TSSF dort eher gering war. Der Megakonzern warf dem CSE in mehreren Petitionen beginnend um 2215 vor, dieses und andere Raumgebiete völlig zu vernachlässigen und die Bewohner sich selbst zu überlassen. Dies war wohl eine der Rechtfertigungen, unter denen Alpha Spaceflight ab 2220 mit einer massiven Aufrüstung begann. Überraschend kam es dennoch, als 2222 eine gewaltige Flotte mit nicht weniger als drei Schlachtkreuzern und zahlreichen anderen großen Kampfschiffen vor Acrux auftauchte - vermutlich ein Großteil der gesamten Flotte, die der Konzern zu diesem Zeitpunkt aufbieten konnte. Alpha Spaceflight stellte dem CSE ein Ultimatum von 24 Stunden, eine Flotte nach Acrux zu entsenden und gemeinsam mit den Streitkräften des Konzerns für Ordnung zu sorgen. Anderenfalls würde man das Problem auf seine eigene Weise lösen.

Die Admiralität der TSSF war Feuer und Flamme für die Idee - nicht jedoch die Entscheidungsträger im CSE. Sie beschränkten sich nach hitziger Diskussion darauf, die Operation von Alpha Spaceflight zu verurteilen und leere Drohungen gegen den Konzern zu richten (die Admiralität war noch damit beschäftigt, sich über die neue militärische Macht von Alpha Spaceflight zu wundern - einen offenen Konflikt mit dem Konzern hätte niemand ernsthaft in Erwägung gezogen). So begann wenige Stunden später die dritte Schlacht von Acrux. Diese übertraf sogar die zweite Schlacht von 2200 noch bei Weitem in ihrer Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Ganze Kolonien - viele davon Vertragspartner in den Abkommen von 2205 - wurden von Alpha Spaceflight als unlegitimer Herrschaft unterstehend bezeichnet und großzügig orbital bombardiert. Über eine Million Kolonisten fanden den Tod als „Kollateralschaden”. Weiterhin stellte der Konzern dies jeder Welt in Aussicht, die die Sicherheit des Konzerns und seiner Bürger in Frage stellen würde. Die Piraten erkannten schnell die Zwecklosigkeit dieses Kampfes und zogen sich in den Outer Rim zurück. Alpha Spaceflight erklärte sich zur „vorübergehenden Schutzmacht”. An diesem Status sollte sich jedoch nichts mehr ändern.

Acrux heute

Die Kolonie und die meisten umliegenden Systeme befinden sich 2246 fest in der Hand von Alpha Spaceflight und verbundener Konzerne. Der Sektor gilt als sicher, zumindest wenn man nahe bei Acrux operiert. Alpha Spaceflight hat eine bedeutende Flottenpräsenz in dem System, die Piraten davon abhält, sich zu nahe heranzuwagen. Der Kolonie selbst hat dies - nach Ansicht der meisten ihrer Bewohner - letzten Endes gut getan. Nach der Machtübernahme verstärkte sich das Wachstum enorm und die Korruption und illegalen Geschäfte wurden ausgemerzt, so gut dies bei einer so großen Kolonie möglich ist. Das gilt allerdings nicht unbedingt für alle umliegenden Kolonien. Kritiker wenden ein, der gesamte illegale Handel sei nur auf die Kolonien rund um Acrux verbannt worden, die oft von kleineren Konzernen beherrscht werden. Diese machen einerseits Geschäfte mit Alpha Spaceflight, sind aber im Übrigen offen für alle lukrativen Zusatzeinkünfte - seien es nun Geschäfte mit Drogen, illegalen VR-Programmen, Waffen oder gar Menschen. Vor allem kann selbst ein Konzern wie Alpha Spaceflight eine lange Tradition der Kolonien auf der Seite der Piraten nicht von heute auf morgen beenden. Rings um Acrux ist die Sympathie für die großen Piratenclans weit verbreitet, und es wird spekuliert, dass viele der Satellitenunternehmen von Alpha Spaceflight in diesem Sektor tatsächlich im Auftrag der Raumpiraten und anderer subversiver Kräfte geführt werden.

Den Bewohnern von Acrux ist es größtenteils einerlei, denn wer sich nicht offen gegen den Konzern oder seine Subunternehmen stellt, der kann in der geschäftigen Supermetropole durchaus ungestört seinen Geschäften nachgehen. Acrux verfügt über einen gut ausgebauten Großraumhafen, auf dem täglich tausende von Fracht- und Passagierschiffen starten und landen. Der Raumhafenbezirk mit seinen zahllosen Vergnügungseinrichtungen, steuerfreien Geschäften, Bars und Hotels für jeden Geschmack lässt niemanden die Nähe zur Zivilisation vermissen. Seit 2241 ist die Acrux-Kolonie mit einem Atmosphärengenerator ausgestattet, so dass man sich ohne Raumanzug im Freien bewegen kann. Beheizte Außenplattformen und Skyways stehen den Bewohnern und Besuchern kolonieweit zur Verfügung. Zahlreiche Handelsgesellschaften des Rim, Syndikate und reiche Ex-Piraten, Händler und Raumfahrer haben in und rund um die Acrux-Kolonie ihre Niederlassungen eingerichtet. Wer im Rim etwas zu erledigen hat, dessen Weg führt selten an Acrux vorbei.

Um die Stimmung zu trüben bleibt nur noch der CSE und vor allem die Admiralität, in denen es einige Kräfte gibt, die die Niederlage im Kampf um Acrux nie richtig verkraftet haben. Am Ende überwiegen aber die Stimmen, die dankbar dafür sind, dass das System endlich zur Ruhe gekommen ist und die Verhältnisse ansatzweise auf dem Weg zur vorbildlichen Situation im Core sind (so die offizielle Position im CSE). Schließlich weiß niemand, wie lange der Zustand diesmal anhalten wird - denn die Unruhe im Rim wächst stetig.

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