Der Rim

Der Rim ist die äußere Kolonisierungszone des Terranischen Sternenstaats, ein Raumgebiet von immenser Ausdehnung, das nur äußerst dünn besiedelt ist. Die Zone erstreckt sich in der Hohlkugel rund um Sol mit Radius zwischen 20 und 600 Parsec und enthält über 300.000 Sternensysteme. Obwohl die schnellsten Schiffe der Menschen den gesamten zivilisierten Raum in einigen Tagen durchqueren können, ist die schiere Anzahl der Himmelskörper zu groß, als dass eine vollständige Kontrolle möglich wäre. Von der eingespielten Organisation, der Präsenz der staatlichen Organe und der Sicherheit, die den Core fest in ihrer Hand zu halten scheint, ist im Rim nicht viel zu spüren. Hier ringen eine Vielzahl verschiedener Machtzentren um den Einfluss über die Kolonien, und pokern dabei rücksichtslos mit materiellen ebenso wie mit menschlichen Ressourcen. Konzerne haben hier nahezu unbeschränkte Freiheit und genießen großzügige Konzessionen für die Umsetzung ihrer Pläne. Aber auch dem einzelnen Rimmer ist es möglich, sich an lukrativen Geschäften zu verdingen, und schnell dort zu verschwinden oder aufzutauchen, wo es für das eigene Überleben am günstigsten ist.

Leben im Rim

Es gibt insgesamt rund 50.000 besiedelte Welten im Terranischen Sternenstaat, von denen der überwiegende Anteil sich auf Himmelskörpern des Rim befindet. Die meisten dieser Kolonien wurden ohne ausgiebige Planung von den Konzernen errichtet, die sich mit dem Abbau der Rohstoffe auf den äußeren Welten befassen. Meist besteht die Bevölkerung nur aus einigen tausend Menschen, die zur Beaufsichtigung der Maschinen dort angesiedelt wurden. So schnell wie die Interessen der Mächte im Sternenstaat sich wandeln, so schnell gelangen auch die Systeme in Vergessenheit und werden sich selbst überlassen. Die Menschen allerdings haben dort ihr eigenes Leben aufgebaut und eine Heimat gefunden, so unwirtlich sie auch sein mag. Dann bieten diese Kolonien einen Nährboden für andere Organisationen, wie die Piraten, Schmuggler, Kopfgeldjäger, Ranger und unabhängigen Handelsbündnisse. Im Outer Rim, dem äußersten Rand des besiedelten Weltraums, übersteigt ihr politischer Einfluss bereits den der meisten Konzerne.

Mit Ausnahme der größten Kolonien, den Rim Hubs, in denen die Menschen zumindest grundsätzlich ähnliche Annehmlichkeiten wie die Bewohner des Core genießen, lassen sich die Lebensumstände im Rim nicht in eine einheitliche Schublade sortieren. Die Regeln für die Kolonisierung neuer Welten im Rim sind weit gefasst, und die zentrale Regierung des Sternenstaats begnügt sich üblicherweise mit der obersten Ebene der Hoheitsrechte. Dies bedeutet, dass die Flotte der TSSF die autoritative Kontrolle über den interstellaren Raum ausübt. Die Macht über Planeten oder gar ganze Sternensysteme jedoch wird meist bereitwillig an denjenigen abgetreten, der sich bereiterklärt, in seinem Teil des Rim für Ordnung zu sorgen. Dies ermöglicht es den Magistraten der Kolonien im Rim, ihre eigenen Planetengarden mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit zu betrauen und innerhalb der großzügigen Grenzen der Verfassung des Sternenstaats nach Gutdünken zu walten.

Der Begriff der Ordnung und Sicherheit wird dabei auf unterschiedliche Weise interpretiert. Den meisten dieser Interpretationen ist allerdings gemeinsam, dass vor allem viel Wert auf das Wohl des eigenen Unternehmens gelegt wird - auf Kosten derer, die nicht in der Position sind, sich zur Wehr zu setzen. Der Rim gilt als eine Art Paradies für kleine, aufstrebende Konzerne, die sich hier ungestört Wettbewerbsvorteile und eine Ausgangsbasis für eine spätere Expansion in den Core verschaffen können. Auch Konflikte unter wirtschaftlichen oder politischen Konkurrenten können im Rim mit erstaunlicher Hemmungslosigkeit und Brutalität ausgetragen werden. Größere Konzerne, gerade diejenigen, die sich gegenüber dem Terranischen Sternenstaat eine eigene Hoheitsmacht etabliert haben, sind im Rim durch Gesetze und moralische Richtlinien nicht mehr gehemmt. Fragwürdige Forschungsprojekte, militärische Aufrüstungsvorhaben und Arbeitsplätze mit geringem Prestige und unannehmlichen Bedingungen für die Arbeitskräfte werden gerne in den Rim verlagert.

Es verwundert wenig, dass diese Bedingungen zu Unmut bei denjenigen führen, die am unteren Ende der Machtkette stehen und die Nachteile der großen Freiheit zu tragen haben. Viele ertragen ihre Situation mit dem typischen Zynismus der Rimbewohner. Viele verfallen den neusten Designerdrogen, realen und virtuellen Vergnügungen, die im Rim nahezu unbeschränkt verfügbar sind und existieren nur noch als apathische Schatten eines Menschen. Andere organisieren sich unter dem Banner eines gemeinsamen Zwecks zu einflussreichen Verbindungen. Einigen gelingt es so, die politische Macht in einer Kolonie an sich zu reißen und durch geschicktes diplomatisches Agieren und wirtschaftliches Geschick ihrem eigenen Traum vom Utopia am Rande der Zivilisation näherzukommen. Andere glauben, die Regeln der etablieren Gesellschaft als das eigentliche Problem identifiziert zu haben und versuchen, eine neue Ordnung mit Gewalt durchzusetzen, oder sie begnügen sich damit diese geschickt auszunutzen, so wie es auch die Leute getan haben, die sie eigentlich verachten. Dies sind die Raumpiraten, Kopfgeldjäger-, und Rangerorganisationen, deren Einfluss zu einem großen Teil auf der Macht ihrer Flotte basiert. Aber auch sie können sich der menschlichen Zivilisation nicht entziehen. Überleben im Rim erfordert den Machthabern in den einzelnen Sektoren ständige Aufmerksamkeit und geschicktes Manövrieren im wechselhaften Netz der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen ab.

Anders als im Core ist das Leben im Rim mehr von Chancen und Zufällen geprägt, man könnte auch sagen, die Lebensläufe der Rimmer sind stärker den Launen des Schicksals unterworfen. Hat man nicht das zweifelhafte Glück, als Konzerner in einem der Rim Hubs einem geregelten Leben nachzugehen, dann bestimmen zunächst einmal die übersichtlichen Möglichkeiten der Kolonie, auf der man lebt, auch die weiteren Aussichten. Dies kann für den einzelnen Menschen gut oder schlecht sein. In einigen Kolonien wird das Wohl des Einzelnen, aufgrund persönlicher Überzeugung und Moral der amtierenden Regierung, groß geschrieben. So können dort auch Bürger ohne große finanzielle oder politische Macht ein relativ sorgenfreies Leben führen. Dies sind meist einzelne, im Rim verstreute Kolonien, die von extrem reichen Philantrophen oder Konzernen und Organisationen mit einem besonderen Ehrenkodex geführt werden. Aber dies ist bei Weitem die Ausnahme und auch einem unsicheren Gleichgewicht unterworfen. Der gewöhnliche Rimmer hat einerseits wenig Annehmlichkeiten zu erwarten, andererseits aber auch keine hohen Ansprüche. Der Großteil der Kolonien im Rim sind kleine Außenposten, die von ihren Schutzherren stiefmütterlich behandelt werden. Wenn sie nicht mehr lukrativ genug sind, werden sie schnell abgeschrieben - meist zu Lasten ihrer Bewohner, die dann sich selbst überlassen sind, oder schlimmer, denjenigen Emporkömmlingen, die die Stunde ihrer Macht gekommen sehen.

Die Regierung des Terranischen Sternenstaats ist selbstverständlich bemüht, ihren Bürgern auch im Rim ein Leben zu ermöglichen, das den Standards des Core genügen soll. In den Kolonien, die dem CSE unterstehen, gelten (bis auf wenige Ausnahmen) alle Gesetze und Richtlinien des Core, und die staatlichen Behörden sorgen mit gewohnter Gründlichkeit für Ordnung. Diese hehre Absicht kann natürlich nicht verhindern, dass der Weg zum Core so weit erscheint, wie das Interesse zur Überprüfung und Überwachung der Zustände durch die höhere Verwaltung in der Kernzone gering ist. Korruption ist daher in diesen Kolonien keine Seltenheit. Magistrate der äußeren Kolonien des 'Terranischen Sternenstaates' wirtschaften in ihre eigene Tasche und versuchen sich an ausgeklügelten politischen Manipulationen, um letztlich mehr Einfluss im Core, dem Ziel all ihrer Ambitionen, zu gewinnen. Am Ende ist sich niemand zu Schade, die unbegrenzten Möglichkeiten des Rim für das eigene Wohl zu nutzen - und das Dienstsiegel des Terranischen Sternenstaats ist dabei ein willkommener Vorteil.

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