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Alte Core-Kolonien

Der Schock der „Unity”-Katastrophe verhinderte über viele Jahrzehnte eine weitere Erforschung des Weltalls mittels der noch schwer zu beherrschenden Technologie des Sternenantriebs. Erst 2145 gelang es Luna Technology, einen erfolgreichen Überlichtflug zum sonnennächsten Sternensystem, Proxima, durchzuführen. Mit dieser Demonstration waren die Karten für die Eroberung des Alls durch die Menschheit neu gemischt. Es dauerte nicht lange, bis Regierung und Konzerne eigene Raumflotten aufbauten und die Erforschung der sonnennächsten Systeme vorantrieben. Auch wenn die ersten Versionen des Sternenantriebs nicht die Leistung hatten, über die moderne Vertreter verfügen, stand der Besiedelung geeigneter Himmelskörper in der näheren Umgebung des Sonnensystems nichts im Wege. Rigel Kentaurus, auch als Alpha Centauri bekannt, war einer der ersten Kandidaten für die Erforschung und Besiedelung. Andere Systeme mit sonnenähnlichen Zentralsternen in der Nachbarschaft von Sol folgten in den kommenden Jahren.

Florierende Kolonien in den Systemen des heutigen inneren Core öffneten schließlich die Tür für den Kolonisierungsboom, der um 2170 einsetzte. Die Systeme wurden zu wichtigen Umschlagplätzen und Knotenpunkten für die weitere Expansion der Menschheit. Abseits der Wirren des Wiederaufbaus und der politischen Zwänge der Kernwelten konnten die Konzerne und einzelne Regierungsabteilungen ihre eigenen Regeln aufstellen und umsetzen. Auch für die Menschen boten sich in den neuen Corewelten ungeahnte Möglichkeiten - nicht zuletzt auch ein Versprechen von Freiheit.

Diese große Freiheit der ersten Jahrzehnte hat die alten Core-Welten in unverwechselbarer Weise geprägt. Neue Unternehmen schossen wie Pilze aus dem Boden, der explodierende Wohlstand und die geringe Belastung durch Abgaben und Regulierung machten die Welten außerhalb des Sol-Systems zu beliebten Standorten für Unternehmer, wohlhabende Bürger und Glücksritter. Der Planet Eden des Systems Rigel Kentaurus A wurde - trotz der von Natur aus eher durchschnittlichen Bedingungen für menschliches Leben - unter erheblichem Aufwand modernster Technologie zu einem vor Luxus und Annehmlichkeiten strotzenden Wallfahrtsort für die Reichen, Schönen und Wagemutigen hergerichtet. Verantwortlich dafür waren wahrscheinlich vor allem die Nähe zu Sol - nur wenige Flugminuten mit einem leistungsfähigen Sternenantrieb - und der jahrhundertealte Mythos um das Nachbarsystem. Der Traum von einer „neuen Welt” war nach über 600 Jahren wiedergeboren.

Auch wenn nicht alle sonnenähnlichen Systeme des inneren Core auch nur annähernd einen ähnlichen Ruf erlangten, wie die beiden Sterne von Rigel Kentaurus, verlief ihre Entwicklung dennoch sehr ähnlich. Wachstumsstarke Konzerne verlegten ihre Zentralen auf die inneren Kernwelten außerhalb von Sol und trieben von dort aus ihre Operationen in den Rim voran. Menschen wurden angesiedelt, und neue Metropolen wuchsen auf der Oberfläche der neu erschlossenen Welten in atemberaubenden Tempo heran. Heute, im Jahr 2246, können viele der Kolonien auf eine beinahe hundert Jahre alte Geschichte zurückblicken. Von der Freiheit der Gründerjahre ist zwar nicht viel geblieben - der Moloch der staatlichen Institutionen und die Machenschaften der größten Konzerne halten die Welten fest in ihrem Griff.

Andererseits bieten die alten Kolonien angenehme Lebensumstände für die Bürger, sofern sie nur im Besitz einer ID sind - Kriminalität wurde weitgehend ausgemerzt. Die potentiellen Täter, überwiegend Menschen ohne ID und reguläre Beschäftigung, wurden auf die unteren Ebenen verbannt und werden dort nun von schwer bewaffneten Sicherheitsteams in Schach gehalten. Die schlimmeren Feinde der Gesellschaft hat man gar in den Rim deportiert, wo sie angeblich nur wenig Schaden anrichten können. So bieten die Metropolen der alten Core-Kolonien eine gewisse Sicherheit, wie man sie von den Kernwelten kennt. Aber auch für weniger privilegierte Teilhaber der Gesellschaft ist die Existenz in diesen Kolonien nicht mit all zu harschen Lebensumständen verbunden. Der Staat, und mit ihm ein Heer von Politikern, die gerne gewählt werden wollen, ist nie weit. Auch die Konzerne sind im Zentrum der menschlichen Zivilisation um die Pflege ihres Rufs bemüht. Wer mit der Etikette der Gesellschaft und den Regeln der Mächtigen arrangiert, kann hier ein fast sorgenfreies Leben führen.

In der Bevölkerungsdichte stehen die alten Core-Kolonien den großen Metropolen der Kernwelten kaum nach. Daher ist auch ein breiter Querschnitt aller Bevölkerungsschichten auf ihnen vertreten. Da diese höchst unterschiedlichen Elemente der Zivilisation auf engem Raum miteinander auskommen müssen, sind die Städte sehr sorgfältig sowohl baulich als auch sicherheitstechnisch in verschiedene Sektoren und Ebenen eingeteilt. Viele der großen Metropolen auf den alten Core-Welten sind eigentlich ein Konglomerat verschiedener Siedlungsstrukturen, die wie eine geschnittene Torte geschichtet und aufgeteilt sind. Den unteren Boden bilden die trostlosen und harschen Basisebenen, in denen die Leute ohne IDs und glücklose Konzernangestellte ein karges Leben fristen. Weiter oben, mit zunehmendem Lichteinfall, besserer Luftversorgung und angenehmerer Architektur, haben sich die verschiedenen mittleren Schichten eingerichtet - die Sahne. Ganz oben - gleichermaßen in den dekorativen Kirschen, schwelgen die Reichen und Mächtigen im Luxus. Es lebt sich dort ganz so wie in den Kristallpalästen der Kernwelten, nur dass die ungewöhnlichen Namen der Heimatsysteme den exklusiven Adressen noch einen besonderen, zusätzlichen Klang verleihen. Ein Hauch von Abenteuer und Prestige - Remineszenz an eine Goldgräberstimmung, die eigentlich längst vergangenen Tagen angehört.

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