Kernwelten

Utopia Planitia Kolonie, Mars
'Utopia Planitia Kolonie', Mars - (hohe Auflösung)

Die Kernwelten liegen im inneren Bereich des Core, vor allem im System Sol und in den benachbarten Sternensystemen. Sie sind die ältesten von Menschen besiedelten Himmelskörper und beherbergen in ihren zahlreichen Kolonien den größten Teil der Bevölkerung des Terranischen Sternenstaats. In Ausdehnung, Vielfalt und Bevölkerungsdichte haben die Metropolen der Kernwelten Konkurrenz allenfalls von den wenigen Rim Hubs zu befürchten. Gegenüber diesen sind sie aber von weit größerer Bedeutung für die Geschicke und die Zukunft der Menschheit, denn hier treffen die politischen Organe des Sternenstaats und die Führungsgremien der Megakonzerne ihre wegweisenden Entscheidungen.

Die Kultur der Kernwelten gründet sich auf Tradition und Vertrauen in die bestehenden Strukturen. Obwohl die Kernwelten so stark besiedelt sind, dass alle Bevölkerungsschichten in breiter Zahl vertreten sind, dominieren dort die konservativen Gruppen, wie Konzernangestellte und Staatsbeamte. Aber auch zahlreiche Glücksritter haben gelernt, die vielen Möglichkeiten und die schnelle, auf das Genießen des Moments und den Konsum gerichtete Lebenweise der Kernwelten für sich nutzbar zu machen.

Die Grundlagen für die Besiedelung der Kernwelten wurden schon lange vor dem interstellaren Zeitalter gelegt, als dort erste Außenposten mit überwiegend wissenschaftlicher Funktion errichtet wurden. Die planetare Raumfahrt wurde schließlich durch revolutionäre Antriebstechnologie und künstliche Gravitation so alltäglich wie der Luftverkehr des 21. Jahrhunderts. Dadurch gewannen die Kernwelten in ungeheurem Ausmaß an Bedeutung - selbst wenn einige von ihnen für die Besiedelung keine so günstigen Umweltbedingungen boten wie etwa Erde und Mars. Sie waren auf der interplanetaren und interstellaren Entfernungsskala die unmittelbaren Nachbarn der Erde und des Sonnensystems, und wurden dadurch schnell zu wichtigen Umschlagplätzen für Waren und Dienstleistungen auf dem Weg in die äußeren Kolonien. Im Jahr 2246 bilden die Kernwelten in allen Aspekten der Zivilisation ein dichtes Netz untereinander. Durch regelmäßige Linienverbindungen mit Überlichtshuttles sind die Kernwelten für Reisende nur wenige Flugminuten voneinander entfernt.

Im Gegensatz zu den meisten Welten des Rim findet man auf jeder Kernwelt eine Vielzahl von Kolonien aller Größen und Gestalten. Während die kleineren Siedlungen oft eine anachronistisch wirkende Idylle repräsentieren, scheinen die Supermetropolen ihrer Zeit immer einen Schritt voraus zu sein. In diesen beeindruckenden Städten leben Menschen auf mehreren Ebenen auf engstem Raum zusammen. Die virtuelle Realität, allgegenwärtig durch überall vorhandene Emitter, verschmilzt mit modernster Architektur, Konstruktionskunst und Verkehrstechnologie zu einer unverwechselbaren Form des städtischen Lebens. Diese Form ist nicht greifbar und kaum definierbar - sie unterzieht sich selbst einem ständigen Wandel und erneuert sich mit jeder neuen Idee. Individualität und Gemeinschaft, soziales Leben und Einsamkeit, Geld, Macht und Armut - all diese Merkmale der modernen Zivilisation sind kaum irgendwo im Terranischen Sternenstaat auf so wenig Raum konzentriert wie in den Supermetropolen der Kernwelten.

Individuelle, elegante und grazile Gestaltung steht bei den Supermetropolen der Kernwelten im Vordergrund. Luxus wird gerne gezeigt und selbst dort angedeutet, wo er gänzlich abwesend ist. Es scheint, als solle jedem Bürger eine Perspektive auf das unbeschwerte und reichhaltige Leben geboten werden, das die Mitarbeit im System verspricht. Die Bauwerke der Kernwelten streben in den Himmel wie verschwenderisch gestaltete Kathedralen. Sie wurden jedoch nicht errichtet, um einem höheren Wesen zu huldigen. Ihr Zweck liegt vielmehr darin die Menschheit selbst und ihre Anführer feiern - stumm und ohne Unterbrechung, während der Tage und der zu Tagen gemachten Nächte. Nur auf den unteren Ebenen, die vom Licht und Glanz abgeschnitten im Schatten der Weltraumkratzer und Parks liegen, bemerkt man ein Abblättern des Lacks, der sich schützend und strahlend über die Metropolen der Kernwelten zu ziehen scheint, fast wie Zuckerguß auf einer Konditortorte.

© 2005-2008 Jörn P. Meier  •  Impressum  •  Datenschutz  •  Kontakt: webmaster@ionflux.org  •  Letzte Aktualisierung: 2008-09-21  •  Version: 2.0  •  Sprache: en | de  •  Die Texte auf dieser Seite unterliegen einer Creative Commons Lizenz. Sie dürfen die Inhalte dieser Website unter bestimmten Bedingungen in eigenen Projekten verwenden. Für weitere Informationen folgen Sie bitte diesem Link.