Rim Hubs

Während die größten Metropolen des Core über Jahrhunderte bis zu ihrer heutigen Form gewachsen sind, sind im Rim innerhalb weniger Jahrzehnte Kolonien von beeindruckender Größe geradezu aus dem Boden geschossen. Ihre Entwicklung war größtenteils geplant und ökonomischen und politischen Überlegungen unterworfen. Da sich in diesen Kolonien von vorneherein wichtige interstellare Transferrouten trafen und Handelsplätze mit hoher strategischer Bedeutung konzentriert waren, war ihr Wachstum praktisch vorprogrammiert. Konzerne richteten in den Rim Hubs ihre Zentralen für die Operation in den Randgebieten der Zivilisation ein, unabhängige Unternehmer nutzen die unregulierten Märkte und das breite Angebot an Rohstoffen und billigen Arbeitskräften, und auch verwegene Abenteurer sahen ihre Chance, die Rim Hubs als Ausgangspunkt für lukrative Missionen in den Outer Rim zu benutzen.

Im Jahr 2246 sind nur die Rim Hubs in ihrer Größe, ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, ihrer Bevölkerungsdichte und nicht zuletzt auch in ihrer kulturellen Vielfalt mit den Städten der Kernwelten vergleichbar. Sie bieten Bewohnern und Touristen fast alles, was auch die Metropolen des inneren Core versprechen. Viele besonders fanatische Rimmer verachten die Rim Hubs und sehen sie als Außenposten des Core mit der gleichen dekadenten und opportunistischen Lebensweise. Aber damit wird diesen Kolonien unrecht getan. Der Charakter des Lebens in einer unerforschten Grenzregion hat die Rim Hubs und ihre Bewohner tief geprägt - auch wenn sie inzwischen längst nicht mehr die Speerspitze der Zivilisation darstellen.

Nicht nur der Entwurf, auch die Architektur und Konstruktionsweise der Supermetropolen der Rim Hubs unterscheidet sich meist deutlich von der, die in den Kernwelten vorherrscht. Luxus und Glanz treten in diesen Kolonien in den Hintergrund, selbst wenn sie zweifellos überall dort präsent sind, wo die Reichen und Mächtigen des Sternenstaats sich niedergelassen haben. Die größten Städte der Rim Hubs sind funkelnde Navigationsfeuer der Menschheit in der grenzenlosen Schwärze des Alls. Ihre Grundrisse entsprechen den Ideologien der mächtigsten Konzerne. Sie demonstrieren eine Form der Präsenz und Macht über das Universum, die nicht selten grotesk anmutet. Riesige Weltraumkratzer erheben sich wie dunkle Säulen über die tief in die Planeten eingegrabenen Ebenen. Sie ragen auf wie mahnende Zeigefinger und deuten in den leeren Raum über sich, um zu sagen: Dort sind wird, dies ist unser Universum. Die Architektur der Rim Hubs scheint durch einheitliche Komponenten und Verzicht auf jede Form von Unbeschwertheit die Individualität ihrer Bewohner geradezu erdrücken zu wollen - sie wirkt imposant, kompromisslos, keinen Widerspruch duldend. Die Erbauer wollen im Rim ein unmissverständliches Zeichen setzen: Ein lebensfeindlicher Raum wird von der Zivilisation erobert, durch Stärke, über die Naturgewalten triumphierende Technologie und bedingungslose Loyalität und Aufopferung der Menschen, die im Dienst der herrschenden Kultur stehen.

Trotz aller gewollten Präsenz der Konzernideologien in den Rim Hubs, die Bewohner der dort aus dem Nichts gehobenen Supermetropolen haben eine eigene Liebe zum Stil ihrer Siedlungen entwickelt. Sie wollen nichts von der geleckten Eleganz des Core wissen, an der Armut und Perspektivlosigkeit der unteren Ebenen unaufhaltsam kratzen. Konzerne und Staat scheinen dort zu immer neuen und aufwändigeren Monumenten an die Kultur gezwungen zu sein, um den Schein zu wahren. Warum sollten sie verbergen, dass nur harte Arbeit, ewige Wachsamkeit und rohe Kraft der Technologie der modernen Menschheit ein Überleben in den Weiten des Alls ermöglichen? Diese Einstellung prägt selbst die kleineren Kolonien auf den Rim Hubs. Funktion geht der Form voraus, Rohheit der verspielten Gestaltung - im Zweifel ist alles größer als nötig, um die in erdrückendem Überfluss vorhandene Leere zu füllen.

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